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Mittwoch
21.08.2019

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Die Schweizerische Volkspartei (SVP) zieht mit einem Grusel-Plakat in den Wahlkampf: «Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?», lautet die provokative Message. Bildlich wird das mit einem roten Schweizer Apfel dargestellt, der von ekligen, schmarotzerhaften Würmern aufgefressen wird.

SVP-Parteisprecherin Andrea Sommer erklärte dem Klein Report am Montag die Idee hinter der Ungeziefer-Symbolik: «Genauso wie dem prächtigen Apfel geht es auch der Schweiz: Seit Jahren zerstören die Linken und die Netten, zusammen mit Abzocker-Managern, die bewährten Tugenden, Werte und Stärken der Schweiz.»

Die SVP hatte das Wurm-Sujet am Sonntag über Twitter und via «Sonntagsblick» verbreitet und damit bereits vor Beginn der Plakataushängung für grossen Wirbel gesorgt. «Die SVP plant ab Montag, 26. August 2019, eine breite Plakatkampagne», sagte Andrea Sommer.

Selbst parteiintern sorgt das Motiv, auf dem die politischen Gegner der Volkspartei als Ungeziefer dargestellt werden, zum Teil für rote Köpfe. SVP-Nationalrat Claudio Zanetti machte seinem Ärger auf Twitter Luft: «Das auf dem Bild sind weder Linke noch Nette. Das ist Gewürm, das man ausrottet. Was versprecht Ihr euch von dieser unsäglichen Bildsprache? Wer soll einen da noch ernst nehmen?»

Zu reden gibt insbesondere die Ähnlichkeit der drastischen Wurm-Symbolik mit einer Darstellung aus der Nazi-Zeitung «Der Stürmer» aus dem Jahr 1931, die GLP-Nationalrat Beat Flach bemerkt und gegenüber TeleZüri deutlich angeprangert hatte.

Geht die SVP mit ihrem Wahlplakat dieses Mal zu weit? Aus Sicht der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG), die das Motiv an ihren Plakatstellen aushängen wird, ist das Sujet in Ordnung. «Dieses Plakat wurde bei uns intern auf die Einhaltung der Vorgaben geprüft», sagte Nadja Mühlemann, Leiterin PR bei der APG, dem Klein Report.

«Die APG überprüft bei politischer Plakatwerbung nur, ob die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Wir sind keine Zensurbehörde», so Mühlemann weiter. Schlussendlich liege die Verantwortung über die Ausgestaltung des Plakats nicht bei der APG, sondern beim Kunden selber.

Beim «Kunden», also der SVP Schweiz, ist Nationalrat und Wahlkampfleiter Adrian Amstutz für das Plakat mit den Würmern verantwortlich, heisst es auf Nachfrage des Klein Reports. Parteisprecherin Andrea Sommer rechtfertigte die provokative Darstellung auf dem Plakat. «Die SVP ist froh, wenn es solche Plakate nicht mehr braucht und dies ist der Fall, wenn die Linken und Netten aufhören, im Verborgenen Komplotte zu schmieden, um die Schweiz an die EU anzuketten.»

Die laute Kritik am Plakat – Medienwirbel inklusive – wird bei der Volkspartei wohl eher als Erfolg verbucht. «Die Stilfrage wird immer wieder gerne von den Medien und den politischen Gegnern gestellt, wenn sie sich ertappt und angegriffen fühlen. Angegriffen fühlt man sich jedoch nur, wenn der Angriff trifft. Und genau das ist die Aufgabe der SVP: Grusig ist nicht das Sujet, sondern dass unser Land langsam aber sicher zerstört wird», führte Andrea Sommer abschliessend aus.