Content:

Dienstag
01.10.2019

Medien / Publizistik

Pietro Supino sieht keine «Täuschungsabsicht». Im Gegenteil: Umsetzung von Native Advertising sei bei Tamedia fast schon vorbildlich...

Im Disput um versteckte Werbeformen in den Tamedia-Zeitungen zeigt sich Verleger Pietro Supino uneinsichtig: Trotz einem Protestbrief, der von 128 Journalisten unterzeichnet wurde, sieht Supino bei Native Advertising offenbar keinen Handlungsbedarf.

Im Protestschreiben vom 23. September hatten die Redaktorinnen und Produktionsmitarbeitenden von Tamedia klar zum Ausdruck gebracht, dass sie gewisse Formen von Native Advertising nicht länger mittragen wollen.

Einige Werbungen bei Tamedia würden nach Ansicht der Journalistinnen und Journalisten sogar «eindeutig darauf abzielen, den Leser über ihren Anzeigencharakter zu täuschen», monierten sie.

Gemeint war unter anderem ein ganzseitiger, kommerziell motivierter Zeitungbeitrag für Mazda, der optisch wie ein redaktioneller Beitrag dahergekommen war. Nur ganz oben auf der Zeitungsseite, im Vergleich zum fetten Titel klar untergeordnet, fand der Leser bei genauerer Betrachtung eine kleingeschriebene Kennzeichnung als «Tamedia Commercial Publishing, Sponsored, Anzeige von Mazda.»

Doch Verleger Pietro Supino findet nicht, dass redaktionelle und kommerzielle Inhalte verwässert werden. «Mir scheint, dass in der Zwischenzeit ein Format definiert worden ist, das eindeutig als kommerzielle Botschaft erkennbar ist und sowohl die jeweiligen Auftraggeber als auch Tamedia Commercial Publishing als Verfasserin klar ausweist», antwortete er per E-Mail auf den Protestbrief vom 23. September.

Von einer «Täuschungsabsicht» will Pietro Supino nichts wissen, im Gegenteil: Die Umsetzung von Native Advertising sei bei Tamedia fast schon vorbildlich. «Im Vergleich in der Schweiz – beispielsweise in der NZZ am letzten Sonntag für die UBS – scheint mir das Format bei uns besser», findet der Verleger.

«Wenn Sie im internationalen Vergleich bessere Beispiele für den Umfang mit Native Advertising kennen, sollten Sie diese einbringen», forderte er von den protestierenden Journalistinnen und Journalisten.

Für sie ist die Kontroverse um Native Advertising mit der Antwort von Pietro Supino noch nicht beendet. «Wichtig ist uns, dass Herr Supino und die Öffentlichkeit wissen: Die Redaktion trägt diesen Kurs nicht mit», heisst es auf Nachfrage des Klein Reports.

Ein Fragenkatalog des Klein Reports an Pietro Supino blieb vom Verleger unbeantwortet. Stattdessen meldete sich die Kommunikationsabteiliung mit einer pauschalen Stellungnahme, ohne auf die einzelnen Fragen einzugehen. «Tamedia legt grossen Wert auf die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit ihrer Medientitel. Zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung wird eine strikte Trennung eingehalten», heisst es dort.

Native Advertising sowie andere Formen von Inhaltswerbung würden ausschliesslich von der Abteilung Commercial Publishing innerhalb Tamedia Advertising erstellt und entsprechend gekennzeichnet – «zusätzlich zur Nennung des jeweiligen Auftraggebers sowie der klaren Deklaration ‚Anzeige’ und ‚Sponsored’.»

«Wir sind überzeugt, dass kommerzielle Inhalte damit deutlich als solche ausgewiesen werden und für die Leserinnen und Leser klar erkennbar sind. Gleichzeitig sind wir offen für einen Austausch mit unseren Redaktionen, um die Transparenz bei Bedarf noch weiter zu erhöhen», lautet die Stellungnahme des Medienkonzerns.