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Donnerstag
03.06.2021

TV / Radio

«Es gab immer wieder Konfliktpotenzial mit den Richtlinien von SRF, was Partnerschaften mit Brands angeht...» (Bild: SRF)

Stefan Büsser hängt seinen Job bei Radio SRF 3 an den Nagel. 

Im Gespräch mit dem Klein Report spricht der Moderator und Comedian über seine Zukunftspläne, über Interessenkonflikte beim SRF und darüber, was er in Pandemiezeiten tut, um den Humor nicht zu verlieren.

Auf was freuen Sie sich nach Ihrer Zeit bei SRF 3 am meisten?

Stefan Büsser: «Für mich gehen nach meiner Zeit bei SRF 3 jetzt viele spannende Felder auf. Ich werde mit meiner Firma ein gemeinsames Büro und Studio mit der Livefabrik von Fabio Nay und Michael Schweizer beziehen und dort kreativ für diverse Abnehmer arbeiten. Daneben werde ich für SRF weiter in Fernsehproduktionen mitwirken. Es wird mir also auch künftig nicht langweilig.»


Wie hat Ihr Umfeld auf die berufliche Veränderung reagiert?

Büsser: «Dieser Prozess reift schon etwas länger in mir, weshalb mein Umfeld jetzt nicht besonders überrascht war. Ich war auch mit SRF über eine lange Zeit in einem offenen und konstruktiven Austausch über die Zukunft, weshalb es auch hier nicht zu einer grossen Überraschung kam.»


Welche kreativen Projekte sind bei Ihnen derzeit in Planung? Wird es bald wieder eine Comedytour geben?

Büsser: «Das klingt jetzt wie früher bei den Ex-Missen, wenn ich sage: ‚Ich habe viele Projekte, kann aber noch nicht darüber reden.’ Der Fokus liegt künftig klar auf dem Comedypodcast ‚Quotenmänner’, den ich mit Aron Herz und Michael Schweizer unter neuem Namen weiterführen und ausbauen werde. Daneben gehen wie gesagt jetzt noch viele Türen auf für Partnerschaften, die bisher nicht möglich waren. Vor allem der Bereich Social und Video wird künftig bei mir eine noch grössere Rolle einnehmen.»


Sie wollen weiterhin mit ihren «Quotenmänner»-Co-Hosts zusammenarbeiten. Kommen Sie von Ihren Kollegen nicht mehr los?

Büsser: «Kollegen kommen und gehen ja im Leben. Das Blöde ist, dass sich bei uns eine Freundschaft auch ausserhalb des Podcasts entwickelt hat, weshalb ich jetzt tatsächlich nicht mehr so leicht von ihnen loskomme. Aber ich kann mir wirklich Schlimmeres vorstellen, als mit Freunden zusammenzuarbeiten.»

Zuletzt waren sie beim SRF in einem 35%-Pensum angestellt. Brauchen Sie mehr Freiheiten? Was haben Sie vor, dass Ihnen die 65% nicht reichen?
Stefan Büsser: «Über die Jahre haben sich mein Pensum und Fokus stärker auf die Tätigkeit als KMU-Unternehmer verlagert. Da gab es dann immer wieder Konfliktpotenzial mit den Richtlinien von SRF, was Partnerschaften mit Brands angeht. Diese sind für kommerziell ausgerichtete Künstler heute essenziell. Und die Corona-Krise hat die Situation nicht gerade verbessert, meine Tour ist abgespielt, und irgendwie muss ich ja auch künftig Geld verdienen. Ich hätte mir hier etwas mehr Flexibilität seitens SRF gewünscht, habe aber auch Verständnis dafür, dass die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit ein sehr hohes Gut für ein gebührenfinanziertes Unternehmen sind.»


Sie sind wegen einer Erkrankung an zystischer Fibrose Risikopatient. Wie sind Sie mit der Corona-Pandemie umgegangen?

Büsser: «Wie die meisten anderen Risikopatienten in der Schweiz auch; vorsichtig, aber ohne mich von der Angst lähmen zu lassen.»


Sie sind Comedian und Humorexperte. Was haben Sie während des Lockdown getan, dass Ihnen das Lachen nicht vergeht?
Büsser: «Gearbeitet (lacht). Und ich habe meinen Medienkonsum auf das Nötigste reduziert. Einmal die ‚Tagesschau’ am Abend und dann noch ein paar Info-Podcasts haben mehr als gereicht, um ein realistisches Bild der aktuellen Lage zu bekommen. Ausserdem gehört es zu meinem Naturell, dass ich schwierige Situationen versuche von der humoristischen Seite anzugehen.»


Wie hat Ihr Arbeitgeber auf die Pandemie reagiert?

Büsser: «Ich finde, SRF hat in der Pandemie einen wichtigen und guten Job gemacht. Vielleicht war es auch bei uns die eine oder andere Extrasendung zu viel, aber im Nachhinein ist das auch einfach zu sagen. Ich bin sehr stolz, durfte ich in dieser schwierigen Zeit Teil dieses Teams sein, das versucht hat, die Leute sachlich zu informieren und ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, das uns die Pandemie erträglicher gemacht hat.»