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Samstag
22.08.2020

TV / Radio

«Um uns digital weiterzuentwickeln, müssen wir unser lineares Programm anpassen und dort teilweise reduzieren», sagte Wappler zum Projekt «SRF 2024»... (Bild: ©SRF)

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat das grosse Umbauprojekt «SRF 2024» vorgestellt: Die Verantwortlichen im Zürcher Leutschenbach hoffen, damit mehr Junge zu erreichen und digitaler zu werden. Dafür werden aber auch Sendungen geopfert.

Mit «Aufbruch in die digitale Zukunft» betitelte der Sender ganz selbstbewusst das Informationsschreiben zu den anstehenden Umbauten des Medienhauses. Das SRF will sich gemäss Direktorin Nathalie Wappler «noch klarer auf den Service-public-Auftrag konzentrieren», den Investigativ-Journalismus «stärken» und «smarter» produzieren.

Zentral für diesen Veränderungsprozess soll ein neues Betriebsmodell sein, dass es SRF erlauben soll, «schneller auf die sich verändernden Markttrends und Bedürfnisse der Zielgruppen zu reagieren». Das Motto, so SRF, sei nämlich «digital first».

Dazu entstehen per 1. April 2021 mit «Audience» und «Distribution» zwei neue Abteilungen im Leutschenbach. Die bisherigen Bereiche «Digital» und «Programme» werden aufgelöst.

Das Projekt «2024» geht auch am SRF-Angebot nicht spurlos vorbei. So soll zum Beispiel die News-App mit Fokus auf Audio- und Videoinhalte sowie Hintergrundinformationen weiterentwickelt werden. Ausserdem wird Radio SRF 4 News als «Information-Audiostream» in die App integriert. «Damit ist es möglich, Audio-Infos direkt aus der News-App zu beziehen», präzisierte Nathalie Wappler die Änderung auf Nachfrage des Klein Reports.

Mit einem «Investigativ-Desk» und einem «Storytelling-Desk» entstehen zwei neue Redaktionsteams, die die SRF-Kanäle mit Recherchen und weiteren Geschichten versorgen sollen. «Die beiden neuen Teams werden in erster Linie für die digitale Berichterstattung arbeiten und setzen sich aus internen Leuten zusammen», erklärte Tristan Brenn, Chefredaktor TV SRF, an der Telefonkonferenz vom Donnerstagabend.

Im «Transformationsprojekt», wie es das SRF bezeichnet, wird auch die Präsenz auf digitalen Plattformen wie Youtube und den sozialen Medien generell ausgebaut. So ist beispielsweise angedacht, dass das Philosophie-Angebot mit Youtube-Formaten erweitert oder «tagesaktuelle Comedy-Inhalte» auf Instagram und Co. ausgespielt werden.

Doch da ist eben auch ein Haken: «Die nötigen digitalen Initiativen sind nur durch Verzichte im linearen Angebot möglich», heisst es. Schon ab dem nächsten Jahr verzichtet das Schweizer Radio und Fersehen auf «Viva Volksmusik», «Einstein Spezial» und die Übertragung externer Veranstaltungen wie «Art on Ice».

Dem digitalen Fortschritt steht offenbar auch die tägliche Sendung «Sportaktuell» im Weg, die aufgrund der Pandemie bereits ausgesetzt ist und nun nicht mehr ins Programm zurückkehrt. Für Sportfans soll dafür die Berichterstattung über Fussball und Eishockey ausgebaut werden – die übrige Sportberichterstattung wird ins Internet verlagert.

Auch das Wirtschaftsmagazin «Eco» verschwindet in dieser Form und soll stattdessen im Sommer 2021 mit einem «wöchentlichen Talk zu Wirtschaftsthemen» ersetzt werden. «Eco»-Moderator Reto Lipp wird künftig also mehr mit Gästen reden, aber weniger Hintergründe beleuchten können. Mit den frei werdenden Ressourcen soll aber gemäss SRF die digitale Wirtschaftsberichterstattung «gestärkt» werden.

Im Radio gibt es bei Jazz- und Klassik-Musikproduktionen sowie bei Sendeplätzen in der Literatur und Religion ebenfalls Reduktionen. Sogar «deutlich reduziert» wird der Einkauf von internationalen Filmen und Serien sowie Dokumentationen.

Dass Streaminggiganten wie Netflix und Disney+ auch das SRF auf Trab halten, wird zwar nicht direkt angesprochen, wird aber deutlich, sobald man die Pläne für die Fiktion liest. Denn der Sender schrieb: «Um sich stärker von privaten Anbietern zu unterscheiden», soll künftig auf europäische Produktionen fokussiert werden.