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Dienstag
16.04.2019

TV / Radio

Die Luft für SRF-Talkmaster Roger Schawinski wird immer dünner: Diverse Journalisten, Fernsehzuschauerinnen und weitere Beobachter fordern das sofortige «Schawinski»-Aus, weil dieser seinen Sendungsgast Salomé Balthus komplett hemmungslos fragte, ob sie als Kind missbraucht worden sei.

Die Kommentarspalten auf den Websiten von Schweizer Zeitungen und die Beiträge in den Sozialen Medien explodieren nur so vor lauter Entrüstung und «Schawinski»-Überdruss. «Diese Sendung ist eine der primitivsten CH-Sendungen im staatlichem TV», liest man beispielsweise unter einem aktuellen Onlineartikel der «Aargauer Zeitung».

Gemeint ist die die «Schawinski»-Sendung vom 8. April 2019, als die studierte Philosophin und Prostituierte Salomé Balthus beim scharfzüngigen Interviewer zu Gast war. Diese fühlte sich von Roger Schawinski später derart überrumpelt und blossgestellt, dass sie sich betrunken und dadurch ihren Rückflug verpasst habe.

Was war geschehen? Zum Auftakt der Sendung thematisierte Schawinski die Beziehung der Edelprostituierten zu ihrem Vater, der 2013 verstorben war. Später stellte der Talkmaster durch die Einspielung eines Videobeitrags mit Alice Schwarzer eine Verbindung zwischen erlebtem Missbrauch im Kindesalter und einer späteren Tätigkeit als Prostituierte her.

Und dann die Frage in Richtung Salomé Balthus, ob das «auch bei Ihnen der Fall gewesen ist?» - also ob auch sie Opfer eines Missbrauchs wurde. «Würden Sie es mir gestehen, wenn es so wäre?», schob Schawinski gleich nach und unterstellte damit, dass von seinem Gegenüber ohnehin keine ehrliche Antwort zu erwarten sei.

Für Salomé Balthus war der Fall klar: Schawinski habe mit der Missbrauchsfrage direkt auf ihren Vater angespielt. Später beging sie den Fehler, Schawinski dahingehend ein falsches Zitat in den Mund zu legen – weshalb die «Welt» ihre Kolumne per sofort einstellte.

Doch die «Schawinski»-Sendung vom 8. April sehen viele als endgültige Bestätigung, dass auch die Zeit von Talkmaster Roger Schawinski definitiv abgelaufen ist. So kommentierte beispielsweise Comedian Mike Müller auf Twitter nach den Vorfällen und der Entlassung von Kolumnistin Balthus in Deutschland: «Das müsste eigentlich zu einer Entlassung in der Schweiz führen.»

Doch Roger Schawinski sieht es selber natürlich ganz anders: Statt seine ruppige Fragetechnik zu hinterfragen, seine mangelnde Sensibilität einzuräumen oder sich gar bei Salomé Balthus zu entschuldigen, verteidigte er sich, holte zum medialen Gegenschlag aus und machte sich auch gleich noch selber zum Opfer.

Gegenüber der CH-Media-Redaktion sprach er von einer «verlogenen Kampagne» gegen ihn: «Dies hat nichts mehr mit Journalismus zu tun, das ist blosse Polemik gegen alte weisse Männer mit ihrer toxischen Männlichkeit, welche die radikalen Feministinnen ganz offen und unverblümt allesamt zum Teufel jagen wollen.»

Daraufhin erntete Schawinski einen weiteren Shitstorm. Nur das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) entzieht sich der Debatte um seinen umstrittenen Talkmaster und hüllt sich weiter hartnäckig in Schweigen. Stattdessen schiebt Mediensprecher Stefan Wyss auf Nachfrage des Klein Reports eine Beanstandung vor, die beim Ombudsmann eingegangen sei. «Wir wollen unserer Stellungnahme gegenüber dem Ombudsmann nicht vorgreifen», so Wyss.

Doch der «Schawinski»-Eklat wirft derart hohe Wellen, dass eine sofortige Stellungnahme von SRF oder TV-Chefredaktor Tristan Brenn unbedingt angebracht wäre. Dennoch will sich der Sender partout nicht zur Thematik äussern. Aufgrund der fehlenden Rückendeckung durch SRF heisst es deshalb: Roger Schawinski (fast) alleine gegen den Rest der Welt.