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Montag
27.09.2021

TV / Radio

In der «Arena» sei es nicht darum gegangen, den wissenschaftlichen Konsens in Frage zu stellen, verteidigte SRF-Videochef Tristan Brenn die Diskussionssendnung... (Bild: © SRF)

Wieder einmal hat eine «Arena» zu Corona für rote Köpfe gesorgt: Im Anschluss an die Sendung vom Freitagabend haben Zuschauer in den sozialen Medien dem Schweizer Fernsehen (SRF) vorgeworfen, unausgewogen zu berichten. Tristan Brenn, Chefredaktor Video SRF, widerspricht dieser Kritik und verteidigt in einer etwas wirren Stellungnahme die «Arena».

«Nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmen das Zusammenleben»: Dieser Satz des griechischen Philosophen Epiktet passe gut in die heftig geführte Debatte um Corona und «False Balance», schrieb Brenn einleitend zu seiner etwas defensiven Stellungnahme auf der eigenen Webseite. Doch dieser Satz meine nicht, dass Meinungen wichtiger seien als Fakten, denn es gäbe «unverrückbare» Fakten, stellte er fest.

Bevor Brenn zur Verteidigung der «Arena» ansetzte, bemühte er sich um eine Definition: «‚False Balance‘ ist der Vorwurf an die Medien, sie würden wissenschaftlichen Konsens und wenige davon abweichende Meinungen ausgewogen darstellen, was zwangsläufig zu einer falschen Wahrnehmung des Sachverhalts führt.»

In der letzten «Arena»-Sendung sei es aber nie darum gegangen, den wissenschaftlichen Konsens in Frage zu stellen, so Brenn. Den Standpunkt, dass die Impfung gegen SARS-CoV-2 höchst wirksam sei, habe auch Diskussionsgast und Zertifikatskritiker Markus Somm, Chefredaktor «Nebelspalter», vertreten.

Am runden Tisch im Studio sassen neben Somm auch Manuel Battegay, Chefarzt für Infektiologie und Spitalhygiene, Martin Balmer, Leiter Pflege Intensivmedizin Kantonsspital Aarau, sowie Regina Göldi, Inhaberin einer Schreinerei, und die Politikwissenschafterin Sarah Bütikofer.

«Kritik am Corona-Zertifikat ist aber keine abweichende Meinung zum wissenschaftlichen Konsens, sondern gehört zur demokratiepolitischen Debatte», argumentierte Tristan Brenn weiter.

Und doch würden die Wogen in den sozialen Medien hochgehen, wenn eine massnahmenkritische und ja, auch impfskeptische Bürgerin wie Regina Göldi am gleichen Tisch mit Fachleuten sitze. «Sie wird zur ‚Schwurblerin‘ gestempelt und die Sendung zur ‚False-Balance-Show‘», beklagte er sich über die Reaktionen auf Twitter und Co.

So werde «False Balance» zu einem «Kampfbegriff», der jede Debatte im Keim ersticke. Ob dies den Tatsachen und Fakten zum Durchbruch verhelfe, sei zu bezweifeln. «Selbst besonnene, den Fakten verpflichtete Fachleute wie der Infektiologe Manuel Battegay zweifeln daran», so Brenn in seiner Stellungnahme.

«Die Tatsache, dass Impfen gegen das Virus wirkt, verhindert offensichtlich nicht, dass Hunderttausende von Menschen in diesem Land sich nicht impfen lassen wollen. Diese Kluft, dieses Paradox, bestimmt in hohem Masse unser Zusammenleben», ist der SRF-Videochef überzeugt.

Damit müsse man sich auseinandersetzen, gerade wenn man das ändern wolle. «Die Kluft verschwindet nicht, wenn wir Vertreterinnen und Vertreter von abweichenden Meinungen aus diesem Diskurs ausschliessen», verteidigte Brenn schliesslich die Einladungen von Massnahmen-Kritiker in die «Arena».