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Samstag
16.11.2019

Medien / Publizistik

Unzulässige Bevorzugung: Marionna Schlatter und Roger Köppel im SRF-«Club», nicht aber Ruedi Noser...

Kurz vor dem zweiten Wahlgang der Zürcher Ständeräte macht SRF-Ombudsmann Roger Blum eine brisante Einschätzung publik: Die grüne Kandidatin Marionna Schlatter sei vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) gegenüber ihrem Widersacher Ruedi Noser bevorzugt worden.

Noser konnte am 22. Oktober nur von zu Hause aus zuschauen, wie Schlatter mit fünf weiteren Gästen im «Club» von SRF zum Thema «Grün legt zu - und jetzt?» debattierte. Für Konfliktpotenzial war gesorgt, denn am 17. November werden sich Noser und Schlatter in Zürich um den zweiten Ständeratssitz duellieren.

In der fraglichen «Club»-Sendung habe die Grüne Schlatter «nur unkritische Fragen bzw. Stichwörter» erhalten, kritisierte der SRF-Ombudsmann in seinem Schlussbericht, der am Donnerstag offiziell publiziert wurde. «Sie hatte dadurch eine ideale Plattform, die sie gekonnt nutzte», heisst es darin weiter. Die Redaktion habe so mitten im Wahlkampf die Chancengleichheit verletzt.

Die Schlagzeilen machten schneller die Runde, als es dem Ombudsmann lieb war: Bereits am Mittwoch haben «Tages-Anzeiger» und «Neue Zürcher Zeitung» auf ihren Webseiten über den Fall berichtet. Das sei «nicht fair», bemängelte Roger Blum später auf Twitter. Die beiden Zeitungen hätten die Sperrfrist gebrochen.

«Schlatter Bühne geboten, Noser nicht eingeladen: Rüffel für SRF», titelte der «Tages-Anzeiger» in der Online-Ausgabe. Der Journalist Pascal Unternährer rollte die Ereignisse auf, die eigentlich erst am Donnerstag an die Öffentlichkeit gelangen sollten. Es geht um sieben Beanstandungen, die nach der «Club»-Sendung vom 22. Oktober beim SRF-Ombudsmann eingegangen waren.

Im «Tagi»-Artikel wird ein Beanstander namentlich genannt: Ralph Keller aus Wald. Der SRF-Kritiker, der auch FDP-Mitglied ist, sei «erfreut» über die Einschätzung des Ombudsmannes. Dieser habe in seinem Schlussbericht festgehalten, dass «die Spiesse für Marionna Schlatter und Ruedi Noser ungleich lang waren» - Schlatter wurde in die Sendung eingeladen, Noser eben nicht.

Für die NZZ fasste Rainer Stadler den Fall zusammen - ebenfalls ein Tag früher, als von Roger Blum gewollt war. «Ombudsmann kritisiert SRF-'Club', weil sich Ständeratskandidatin Schlatter einen Vorteil verschaffen konnte», lautete sein Titel. Eine «Club»-Sendung von SRF sei vom Ombudsmann als einseitig kritisiert worden, stand am Mittwoch auf der NZZ-Website.

Der Klein Report fragte nach, weshalb die Berichte bereits am Mittwoch publiziert wurden, obwohl der Schlussbericht des SRF-Ombudsmanns über die OTS-Kanäle eigentlich mit Sperrfrist am Donnerstag verschickt wurde.

Rainer Stadler von der «Neuen Zürcher Zeitung» wies die Vorwürfe des Ombudsmannes, die Sperrfrist gebrochen zu haben, von sich: «Der 'Tages-Anzeiger' hat am Mittwoch aus dem Papier von Roger Blum zitiert und dessen Einschätzung des Falls zusammengefasst. Damit war die Sperrfrist schon gebrochen, bevor ich darüber berichtet habe.»

Tagi-Redaktor Pascal Unternährer lieferte dem Klein Report eine andere Erklärung: «Der Schlussbericht mit Datum 11. November wurde uns zugespielt. Im Bericht steht nichts von einer Sperrfrist», versicherte er.