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Montag
27.2.2017

TV / Radio

Der emotionale Streit um eine E-Mail zwischen SRF-Moderator Jonas Projer und Publizist und Historiker Daniele Ganser rückte die Glaubwürdigkeit des Schweizer Fernsehens in den Mittelpunkt einer grossen Debatte. «Ich war überrascht, dass ich in der Sendung live erlebte, wie Lückenpresse funktioniert», kritisierte Ganser nach der Sendung.

Die Chronik des Geschehenen: Moderator Projer und sein Gast Ganser diskutierten in der «Arena» vom Freitag unter anderem über die Untersuchungen zu den Terroranschlägen vom 11. September. Der Streitpunkt: An besagtem Tag stürzte neben den Twin Towers ein drittes Gebäude - das World Trade Center 7 - ein.

Ganser ist entgegen offizieller Untersuchungen der Ansicht, dass WTC7 nicht als Folge des Brandes der anliegenden Twin Towers einstürzte, sondern «mit grosser Wahrscheinlichkeit» gesprengt wurde. Das brachte ihn bereits einen Monat vor der «Arena»-Sendung auf den Schirm des Schweizer Fernsehens: In einem Beitrag des SRF-Wissensmagazins «Einstein» wurde er deswegen als «Verschwörungstheoretiker» betitelt.

Hart ins Gericht mit seinem Gast ging auch SRF-Moderator Jonas Projer: Er überraschte Ganser in seiner Sendung mit zwei Nachrichten, die dessen Glaubwürdigkeit in ein zweifelhaftes Licht rückten. In einer öffentlichen Twitter-Nachricht schrieb der Historiker: «Für das SRF ist kritische Forschung zu WTC7 = Verschwörungstheorie.» In einer privaten E-Mail Nachricht an «Einstein»-Redakteur Peter Höllrigl bezeichnete er «den Teil zu 911 und WTC7» der gleichen «Einstein»-Sendung hingegen als «fair» und «sachlich».

Ganser protestierte vehement, bezeichnete die Gegenüberstellung der Nachrichten als «eine Riesenfrechheit». Dem Moderator der Sendung warf er Folgendes vor: «Sie nehmen etwas und schneiden den anderen Teil weg!» Der Streit zwischen Projer und Ganser eskalierte in der Folge derart, dass der Moderator sogar kurzzeitig androhte, die Sendung sofort abzubrechen.

Einen Tag nach der Sendung publizierte Ganser die vollständige E-Mail-Nachricht, die er dem «Einstein»-Journalisten Peter Höllrigl damals geschickt habe: «Lieber Peter. Ich fand den Teil zu 911 und WTC7 fair und sachlich. Danke. Der Mix mit `Klimalüge` und Protokolle hingegen fand ich schlecht. Herzlich, Daniele.»

Zudem verwies Ganser auf private Telefonate, die er mit Höllrigl geführt habe: «Ich habe ihm am Telefon schon vor der Sendung gesagt, dass ich es unfair finde, dass SRF in der Sendung nur Personen bringen will, welche meine 911 Forschung kritisieren und nicht auch solche, welche sie unterstützen, obschon es viele gibt.»

Hätten das SRF und Jonas Projer die ganze E-Mail-Nachricht zeigen sollen? Anton Schaller, früherer Chefredaktor der «Tagesschau», kritisierte den SRF-Moderator in einem Beitrag von Tele Züri für seine persönlichen Angriffe gegen Ganser. Diese hätten «nichts zur Klärung der ganzen Thematik beigetragen haben», so Schaller. Projer verteidigte sich kurz angebunden, er habe lediglich die Aussagen seines Gastes «kontextualisiert».

Auch in den sozialen Netzwerken wurde die Glaubwürdigkeit des SRF-Moderators und des Historikers kontrovers diskutiert: Jan Flückiger, noch bis Ende Juni Bundeshausredaktor der NZZ, bezeichnete es als «unsauber, Leute, die Kritik an offizieller Version von WTC7 ausüben, pauschal als Verschwörungstheoretiker zu diffamieren». Zudem überraschte er mit folgendem Tweet: «Mindestens WTC7 war kontrollierte Sprengung. Das sieht auch ein Laie.»

Dafür erntete er einen Rüffel vom eigenen Geschäftsführer: «Wirklich? Wenige Themen der Menschheitsgeschichte sind so gründlich durchleuchtet wie 9/11», so Veit Dengler, CEO der «Neuen Zürcher Zeitung».