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Donnerstag
29.10.2020

Medien / Publizistik

Sommaruga appellierte auffällig oft auf Deutsch, Französisch und Italienisch an den Zusammenhalt in der Bevölkerung...

Der Bundesrat hat am Mittwoch die Corona-Massnahmen verschärft: Neu gilt eine weitreichende Maskenpflicht überall dort, wo Abstand nehmen unmöglich ist. Restaurants müssen ab 23 Uhr schliessen, und sportliche Aktivitäten werden eingeschränkt.

Die Landesregierung bemühte sich bei der Verkündung der Einschränkungen um eine klare Sprache.

Bevor Simonetta Sommaruga, Alain Berset und Guy Parmelin die neuen Massnahmen bekannt gaben, die die Schweiz durch die zweite Welle führen sollen, marschierten sie gemeinsam vor der versammelten Presse in den Saal. Eine Szene, die wohl Absicht war und Einigkeit demonstrieren soll – etwas, was bis vor Kurzem in der schweizerischen Corona-Politik fehlte.

Den Anfang machte Bundespräsidentin und Medienministerin Simonetta Sommaruga (SP). «Sehr geehrte Damen und Herren, die Ansteckungen mit dem Coronavirus steigen jeden Tag», sagte sie klar und deutlich. «Wir haben keine Zeit zu verlieren.»

Alle hätten Interesse an einem Rückgang der Fallzahlen; niemand möchte einen zweiten Lockdown, so die Bundesrätin weiter, die sich mit ernstem Blick an die Journalistinnen und Journalisten wandte. «Darüber sind wir uns in der Schweiz einig.» Und: «Durch diesen Herbst kommen wir nur gemeinsam.»

Noch bevor SP-Bundesrat Alain Berset zu Wort kam und die einzelnen Massnahmen im Detail vorstellte, appellierte Sommaruga auffällig oft an den Zusammenhalt und sagte so durch die Blume, dass es die Bevölkerung selber in der Hand habe, einen Lockdown zu verhindern. Notabene in den drei grossen Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch.

Allerdings: Dass an der misslichen Lage, in der sich die Schweiz jetzt befindet, auch das ewige Verantwortungs-Ping-Pong zwischen den Kantonen und dem Bund mitschuldig ist, sagte Sommaruga nicht. Und dies, obwohl sie vor ein paar Tagen an der letzten bundesrätlichen Medienkonferenz zum Coronavirus noch sagte, dass das «Gschtürm» jetzt aufhören müsse.

Auch Berset schlug einen deutlichen Ton an: «Die Regeln werden das persönliche und wirtschaftliche Leben stark einschränken», sagte der Gesundheitsminister aus dem vom Virus stark getroffenen Kanton Freiburg. «Die Schweiz ist jetzt ein Hotspot auf europäischem Gebiet.»

Seine Botschaften hat er mit einer ernsten Mimik zum Ausdruck gebracht: Die Reproduktionszahl in der Schweiz liege aktuell bei 1,6. «Wir müssen diese Zahl halbieren.» Und das gehe nur mit einschneidenden Massnahmen, die verhindern sollen, dass sich die ohnehin schwierige Lage nicht noch verschlimmere. Alle wüssten, wie man sich nun zu verhalten habe, so Berset.

Dann war Wirtschaftsminister Guy Parmelin an der Reihe. Der SVP-Bundesrat sagte, man habe heute bereits die richtigen Instrumente, um den verschiedenen Wirtschaftsbereichen zu helfen. «Die Gesundheit und die Wirtschaft stehen nicht im Widerspruch.»

Bei der anschliessenden Fragerunde kam es dann trotzdem noch zu einer Kommunikationspanne: Ein Journalist aus der Romandie fragte Alain Berset, ob es denn nun eine Ausgangssperre im Gastrobereich gebe, und was man sich darunter vorstellen könne. Berset aber sagte, dass es keine Ausgangssperre, sondern eine Sperrstunde gebe. In der französischsprachigen Medienmitteilung habe sich ganz dem Anschein nach ein klassischer Übersetzungsfehler eingeschlichen.

Nach der Medienkonferenz ist also klar: Die Schweiz hat ab Mitternacht strengere und vor allem klarere Massnahmen, die die Pandemie eindämmen sollen.

Auch die Kommunikation des Bundesrates hat im Vergleich zu früheren öffentlichen Auftritten an Schärfe gewonnen. Dafür war es auch höchste Zeit: Am Mittwoch hat das Bundesamt für Gesundheit über 8’000 Neuansteckungen vermeldet.

Zum Vergleich: Deutschland hat am Mittwochmorgen knapp 15’000 Neuansteckungen mit dem Coronavirus gezählt – bei zehnmal so vielen Einwohnerinnen und Einwohnern. Ausserdem haben die Bundesländer und der Bund am genau gleichen Tag wie die Schweiz neue Einschränkungen verkündet, die allerdings noch weiter als diejenigen hierzulande gehen.