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Samstag
04.06.2011

Beim Betrachten der Siegerbilder des «Photo Münsingen Award 2011» lief es dem Klein-Report-Berichterstatter kalt den Rücken runter. Die in ein steriles Grün eingetauchten Motive bieten Einblick in eine Pathologie. Weder Bluttropfen noch Leichen sind zu sehen, doch ein leerer Gang oder ein leeres Bett können in diesem Umfeld ebenso beunruhigend wirken. Der Wettbewerbsbeitrag des Berner Fotoklubs Atelier 4art traf denn auch gleich in mehreren Punkten bei der Jury auf grosse Zustimmung.

«Das Motto `Stille` ist mit den Pathologie-Szenen gut umgesetzt», erklärte Jurymitglied Anita Di Domenico, Geschäftsführerin des Onlinekatalogs bestswiss.ch, am Mittwoch gegenüber dem Klein Report. Die Bilder liessen einen nicht kalt. «Jeder weiss, dass er einmal sterben muss», so Di Domenico. Die technische Ausführung habe die Jury ebenso überzeugt wie die Bildgestaltung. Etwas weniger anfreunden konnte sie sich indes mit dem grünlichen Farbton der Bilder. «Die grüne Nachbearbeitung wäre nicht nötig gewesen. Bis zur Preisverleihung habe ich sogar angenommen, dass die Bilder schwarz-weiss eingereicht worden seien», gestand sie dem Klein Report.

Gross war die Freude über den Sieg beim erst seit 2005 in dieser Form bestehenden Fotoklub Atelier 4art, der gerade mal fünf Mitglieder zählt. Dementsprechend brauchte es klubintern auch längere Diskussionen, bis alle fünf Fotografiebegeisterten sich mit der Idee eines Fotoshootings in der Pathologie anfreunden konnten. «Dem Fototermin ging ein langer Prozess voraus. Wir wollten aber bewusst einen schwierigen Weg wählen, um das Thema `Stille` aufzuzeigen», sagte Klubmitglied Florian Divis gegenüber dem Klein Report. Überraschend schwierig wurde es dann aber auch, Zutritt zu einer Pathologie zu erhalten. «In Bern lehnte man unsere Anfrage ab. Im Spital Thun wurden wir dagegen mit offenen Armen empfangen, wofür wir sehr dankbar sind», so Divis. In Thun erhielt die Fotogruppe Gelegenheit, an einem Samstagmorgen fünf Stunden lang in der Pathologie zu fotografieren. «Die Pathologie war zum Glück an jenem Tag nicht belegt», sagte Divis. Man habe routiniert Bildideen umgesetzt, die man schon im Vorfeld ausgetüftelt hatte. Bewusst gewählt wurde im Übrigen auch der grüne Farbton bei der Nachbearbeitung. «Wir haben damit die Atmosphäre der TV-Serie `CSI: Crime Scene Investigation` aufgriffen», verriet Divis dem Klein Report.

Nicht bekannt ist, ob die Drittplatzierten des Photoklub Hinterthurgau sich für ihre Bildserie «lebenslänglich» von der US-Gefängnisserie «Prison Break» inspirieren liessen. Als Betrachter jener Bilder kann man förmlich spüren, dass der abgebildete Gefangene seine Situation als ausweglos empfindet. «Wir haben uns für ein Gefängnis als Schauplatz entschieden, weil dort ganz stark Stille und Langeweile spürbar sind», erklärte die Hinterthurgauer Fotografin Silvia Oberhänsli. Beim Abgebildeten handle es sich aber keineswegs um einen Gefangenen, sondern um ein Model. «Fotografiert haben wir den Mann im ehemaligen Gefängnis Komturei Tobel, das heute ein Kulturzentrum ist», so Oberhänsli. Zwar haben alle fünf Mitglieder das Model innerhalb des Raumes in eine andere Pose gesetzt. Und doch haben die Bilder eine überraschende Gemeinsamkeit, die erst auf den zweiten Blick auffällt. «Die Kameraposition ist auf allen Bildern dieselbe. Dieser buchstäbliche Stillstand der Kamera soll dem Wettbewerbsthema auf einer weiteren Ebene gerecht werden», sagte Silvia Oberhänsli dem Klein Report.

Anlässlich der Preisverleihung des «Photo Münsingen Award 2011» verriet die Jury übrigens das Wettbewerbsthema des nächsten Klubwettbewerbs. Es lautet ganz simpel: «Schweiz». Man darf insbesondere gespannt sein, wie die befreundeten Fotoklubs aus dem Ausland das Motto umsetzen werden.