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Montag
12.03.2018

Medien / Publizistik

Die SDA-Redaktion bröckelt langsam weg

Erste Auflösungserscheinungen bei der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA): Zusätzlich zum geplanten Abbau von 36 Vollzeitstellen verlassen immer mehr Mitarbeitende auch «freiwillig» die Nachrichtenagentur. Die Redaktion befürchtet, dass es schon bald zu personellen Engpässen kommt.

Wie angekündigt gingen SDA-Mitarbeitende am Montag für einen weiteren Protest auf die Strasse. Etwa 40 Redaktorinnen und Redaktoren und gleich viele Unterstützer wollten beim Berner Waisenhausplatz auf die alarmierende Situation in der SDA-Redaktion aufmerksam machen. Ihre Message: Die SDA bröckelt, sie fällt Stück für Stück auseinander.

«Niemand vom Verwaltungsrat realisiert, was innerhalb der Redaktion passiert», erklärt Syndicom-Zentralsekretärin Stephanie Vonarburg dem Klein Report die Bedeutung des aktuellen Protests. «Es gibt derzeit grosse Probleme, die Schichtpläne für April und Mai zu füllen. In den Redaktionen hat es schlicht zu wenig personelle Ressourcen, um die zukünftigen Arbeiten zu planen und in gewohnter Qualität zu liefern.»

Gemäss Vonarburg haben selbst die Redaktionschefs derzeit keinen Überblick, wie viele Mitarbeitende in einem oder in zwei Monaten noch zur Verfügung stehen. «Die Kündigungsfristen sind unterschiedlich, formell laufen die ersten Ende Mai aus.» Weil vielen der gekündigten SDA-Journalisten noch Ferien oder Freitage zustehen, komme es aber schon vorher zu Engpässen.

Hinzu kommen nun immer mehr Mitarbeiter, die ihre Zukunft nicht mehr bei der SDA beziehungsweise dem fusionierenden Unternehmen Keystone-SDA sehen. «Nach meinem letzten Stand haben fünf Mitarbeitende `freiwillig` gekündigt. Am Montag habe ich erfahren, dass weitere dazugekommen sind», sagt Stephanie Vonarburg. «Auch die Chefredaktion hat deshalb ein ziemliches Chaos», erklärt sie die sich zuspitzende Situation.

Gleichzeitig stagnieren die Gespräche mit der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat. «Derzeit ist alles eingefroren», erklärt die Gewerkschaftsvertreterin. «Der Termin vor der Einigungsstelle steht noch nicht fest. Aktuell geht es darum, die Personen im Seco-Pool auf Befangenheit hin zu überprüfen. Wir haben dazu bis am 23. März Frist.»

So bleibt aus Sicht der Redaktion die Befürchtung, dass der Stellenabbau ungehindert weitergeht, bevor die Schlichtung überhaupt richtig beginnen kann. «Wir fordern deshalb weiterhin eine Sistierung der Kündigungen. Es braucht ein Umdenken, um die Zukunft und den Leistungsumfang der SDA zu planen», so Vonarburg zum Klein Report.

Der Streik der Redaktion sei nicht aufgehoben, sondern sistiert. «Aber die Redaktion hat an der letzten Versammlung entschieden, dass sie ihre Ziele und Forderungen mit verschiedenen Aktionen weiterverfolgt.» Bereits am Mittwoch sei deshalb die nächste Aktion geplant: ein Polit-Apéro mit Bundesparlamentariern und Unterstützerinnen zum Thema SDA in Bern.