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Freitag
22.11.2019

Medien / Publizistik

Egal ob Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien: Frei nach dem Motto, das Ex-Fussballer Andi Möller zugeschrieben wird, nehmen es einige Medien offenbar nicht so genau mit der korrekten Angabe von Quellen.

So geschehen bei einem Text, der unter anderem vom Newsportal nau.ch übernommen wurde. «Festgefahrene Fronten in Steuerstreit von Apple und EU-Kommission», lautete der Titel. Als Quelle wurde die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) angegeben.

Derselbe Beitrag wurde auch in Österreich publiziert - nur gerade den Titel hat derstandard.at etwas angepasst. Ins Auge sticht aber ein anderes Detail: Verwiesen wird hier nicht auf die SDA, sondern auf die Austria Presse Agentur (APA).

Und auch in Deutschland ist besagter Text erschienen. Auf dem Portal heise.de wurde dieser sogar einer dritten Agentur zugeschrieben: Nicht die SDA oder die APA, sondern die Deutsche Presse-Agentur (DPA) wurde als Urheber aufgeführt.

Dieses Beispiel, auf das der Klein Report nur zufällig gestossen ist, dürfte kein Einzelfall sein. Es zeigt, dass Texte von Nachrichtenagenturen nicht bloss ohne Nachprüfung übernommen werden. Offenbar weiss manch eine Redaktion am Ende nicht einmal mehr, wessen Text sie eigentlich übernommen hat.

Der Klein Report ist bei der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Fehlersuche gegangen. Denn der Text, der in der Schweiz, Deutschland und Österreich mit unterschiedlichen Quellenangaben publiziert wurde, wurde auch über den SDA-Basisdienst an die Redaktionen verteilt.

Marcus Hebein, Leiter Chefredaktion Keystone-SDA, erklärte: «Wir haben die angeführte Meldung selbstverständlich mit dem korrekten Hinweis auf eine internationale Partneragentur - nämlich in diesem Fall die DPA - in unseren Dienst eingespielt. Die Meldung ging am 18. September um 16:46 Uhr mit der Agenturzeile 'awp sda dpa' in unseren Dienst.»

Dieser Hinweis dürfte aber von einigen Kunden «nur verkürzt» übernommen worden sein, vermutet Hebein. «Das passiert auch in anderen Ländern ähnlich. Auch die österreichischen Kollegen der APA haben ihren Bericht wohl mit der korrekten Agenturkennung ausgeliefert, einzelne Medien übernehmen diese Hinweise aber manchmal nur verkürzt in ihrer eigenen Berichterstattung.»

Wie nonchalant Quellen bei der Weiterverbreitung verwässert werden, ist irritierend. Ein Text, geschrieben von der DPA, wird hier unter dem Kürzel SDA und dort unter APA weiterverbreitet, ohne dass jemand den Fehler korrigieren würde. Das Motto: Egal ob SDA, DPA oder APA, Hauptsache Nachrichtenagentur.

Wie tief der Fehler auch in den Archiven verwurzelt ist, zeigt ein Blick in die Schweizer Mediendatenbank (SMD). Dort ist der Text «Festgefahrene Fronten in Steuerstreit von Apple und EU-Kommission» seit dem 18.9. um 16:41 Uhr dokumentiert. Als Quelle wird die SDA («SDA/ATS») angegeben. Keine Spur von der Deutschen Presse-Agentur.