Content:

Dienstag
30.06.2020

Kino

«Suche nach Menschlichkeit»...

Er hat Schweizer Filmgeschichte geschrieben, und der Oscar ist mehrmals nur knapp an ihm vorbeigegangen. Jetzt darf der Regisseur und Autorenfilmer Markus Imhoof den Ehrenpreis des Schweizer Films 2020 entgegennehmen.

Nachdem die Verleihung im März aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste, wird der Preis für das Lebenswerk während der «Nacht der Nominationen» im Rahmen der Solothurner Filmtage 2021 überreicht.

Als seinen herausragenden Verdienst bezeichnete die Nominationskommission des Bundesamtes für Kultur Markus Imhoofs fortwährende «Suche nach Menschlichkeit», welche «das politische Ganze mit dem Persönlichen verbindet».

Ein breiteres Publikum bewegen konnte dieses Einfühlungsvermögen der Oscar-nominierte Spielfilm «Das Boot ist voll» (1981). Porträtiert wird hier das Schicksal Geflüchteter während des Zweiten Weltkriegs im Schweizer Exil.

Imhoofs Filme decken auf, schaffen Empathie und fordern zum Nach- und Umdenken auf. Der Gefängnisfilm «Rondo» (1968) wurde von der Justizdirektion des Kantons Zürich verboten und blieb bis 1976 unter Verschluss.

Weitere Erfolge von Markus Imhoof sind «Tauwetter», «Der Berg» oder 1999 das Drehbuch zu «Zornige Küsse». Als nach diesem Film die lokale Szene den nach Berlin ausgewanderten «Altfilmer» bereits im Ruhestand wähnte, kam dieser nach ein paar gelegentlichen Theaterinszenierungen, zum Beispiel an der Volksoper in Wien, 2012 noch einmal fulminant zurück. «More Than Honey» (2012) berührte ein internationales Publikum und ist nach wie vor der bisher erfolgreichste Schweizer Dokumentarfilm.

2018 setzte sich Markus Imhoof in «Eldorado» erneut mit den Folgen einer restriktiven Asylpolitik auseinander. Der erschütternde Film ging 2019 erneut als Schweizer Kandidat für den Oscar ins Rennen.

Imhoofs Engagement ist echt und nicht nur für die grosse Leinwand gekünstelt. Nach dem Verbot seines Gefängnisfilms «Rondo» liess er sich als Gefängniswärter anstellen und schrieb das Drehbuch zu seinem ersten Spielfilm «Fluchtgefahr» (1974). Später arbeitete er für ein Fernsehspiel, «Isewixer», unerkannt als Eisenwichser in den unterirdischen Kanälen in seiner Geburtsstadt Winterthur.

Der jetzt für sein Lebenswerk Ausgezeichnete durfte in einer Laudatio auch schon hören: «Die Gesellschaft braucht den Sauerteig und Imhoof will lieber zum Sauerteig als zur Patisserie gehören.»

Ausgebildet wurde Markus Imhoof an der Kunstgewerbeschule Zürich beim legendären Kurt Früh sowie als Assistent von Leopold Lindtberg am Schauspielhaus.