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Donnerstag
23. Mai 2013, 05:13
«Schawinski»: Dauerwerbesendung für die SRG
14:48
Mittwoch
05.09.2012
Schweiz

Die Ausgangslage war denkbar delikat für Roger Schawinski: Zu Gast in seiner Sendung «Schawinski» am Montagabend war SRG-Generaldirektor Roger de Weck. Im Vorfeld hatte Schawinski den Talk in verschiedenen Medien zum ultimativen Beweis für seine nach wie vor vorhandene publizistische Unabhängigkeit von der SRG hochstilisiert. Die Vorwürfe, namentlich vom dritten namhaften Roger in der Schweizer Medienbranche, der einstige SRG-Kritiker sei nach der Ernennung seines Duzfreundes de Weck und dem Start der eigenen Sendung auf SRF zum «Hofberichterstatter» der SRG mutiert, haben Schawinski offensichtlich getroffen.

Noch brisanter wurde die Ausgangslage durch den aktuellen Rechtsstreit um das neue Logo von SRF, das gemäss Schawinski zu stark an den Brand seines Senders Radio 1 erinnert, und er deshalb den öffentlich-rechtlichen Sender eingeklagt hat.

Erwartet werden durfte also ein angriffiger und bissiger Schawinski. Doch das Gegenteil traf ein: Der Talk verkam zur harmlosen Fachsimpelei unter Berufskollegen und - schlimmer noch - zur Dauerwerbesendung für die SRG. Mit beharrlichem Pseudocharme feuerte de Weck eine Superlative nach der anderen los, schwadronierte von «engagierten, super aktiven und kreativen Kolleginnen und Kollegen» bei der SRG, schwärmte von einer «Dynamik in diesem Laden, die mich beeindruckt», und erkannte eine «unglaubliche Verbundenheit» der Bevölkerung mit der SRG.

Auf den schüchternen Hinweis Schawinskis auf die schrumpfenden Marktanteile reagierte de Weck mit der durch nichts belegbaren Behauptung: «Noch nie wurde das Angebot der SRG so intensiv genutzt wie jetzt.» Und überhaupt: «Die Werbebranche ist mit uns sehr zufrieden.»

Es war schon erstaunlich zu beobachten, wie wenig der einstige Chefkritiker der SRG diesem Werbespot auf dem eigenen Sender entgegensetzen konnte. Vor allem, wenn man sich daran erinnert, wie aggressiv Schawinski Anfang Jahr dem Chef eines anderen staatsnahen Betriebs, SBB-Boss Andreas Meyer, an den Waggon, Pardon, Karren fuhr.

Woher diese Beisshemmung? Die Antwort gab Schawinski in seiner Sendung gleich selber: «Ich habe vielleicht auch eine gewisse Hemmung gegenüber dem grossen Chef der SRG.» Das unmittelbar nachgeschobene «Stimmt nicht» konnte nicht über den Eindruck hinwegtäuschen, dass sich Schawinski in diesem ganz speziellen Talk-Setting nicht wohl fühlte. Den angestrebten Beweis für seine Unabhängigkeit gegenüber der SRG konnte er mit dieser Sendung sicher nicht erbringen.

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05.09.2012
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05.09.2012
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