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Dienstag
13.08.2019

Medien / Publizistik

Den Apéro gabs auf dem Zürisee-Schiff, gespiesen wurde im Restaurant Rathaus in Rapperswil.

Wie seit Jahren treffen sich Anfang August pensionierte Ringier-Mitarbeiter zum jährlichen Ausflug mit dem Kursschiff nach Rapperswil. Der Anlass wird organisiert vom langjährigen SI-Fotografen Felix «Filax» Aeberli sowie vom einstigen Mann-in-allen-Ringier-Redaktionen, Franz Glinz.

Jedes Jahr sind es weniger Teilnehmer. Nicht etwa aus Todesgründen. Vielleicht, so mutmasst Aeberli, ist den Leuten das immer Gleiche verleidet. Für nächstes Jahr wird er aufgrund von mehreren Vorschlägen abstimmen lassen, wohin die Reise geht.

Wie der Klein Report aus unterschiedlichen Quellen erfahren hat, herrschte bei der Abfahrt in Zürich garstiges Wetter mit viel Regen. In Rapperswil schien die Sonne. Wie das Wetter, so auch die Stimmung an Bord sowie im Rittersaal des Restaurants Rathaus.

Erster Diskussionsstoff war wie in den Jahren zuvor der Apéro an Bord, den die Firma Ringier seit Jahren aus Spargründen nicht bezahlen mag. Zweimal ist Formel-1-Experte Roger Benoit eingesprungen. Jetzt muss wieder selber bezahlt werden. Vielleicht kennen die Ringier-Verantwortlichen die unverschämten Preise auf den Zürichsee-Schiffen. Ein Cappucino zum Beispiel kostet satte Fr. 6.80, ein Aperol Spritz 12 Franken. Vielleicht deshalb verweigert der Verlag seit Jahren die Übernahme der Apérokosten.

«Die Zukunft beginnt heute», schreibt anderntags der Blick im Rahmen eines Aufrufs für Jung-Talente fürs künftige digitale «Blick TV». Damit investiert Ringier in den Journalismus, heisst es weiter. Die Vergangenheit sind die Ringier-Senioren. 

Diese wurden schon im Eingang des Ringier-Pressehauses desavouiert. «Redaktionen waren bis vor 15 Jahren ein Ponyhof», lässt sich CEO und Ringier-Mitbesitzer Marc Walder auf der Glastüre zitieren. «Eine Frechheit und Respektlosigkeit uns und all dem gegenüber, was wir während vielen Jahren für das Haus gegeben haben», ist die einhellige Meinung der altgedienten Reporter, Journalisten und Fotografen. 

Von wegen Ponyhof: «Bei Geschichten wie dem Swissair-Grounding oder der UBS-Rettung hatten wir 18-Stunden-Schichten, gaben unser Herzblut für die Ringier-Medien», so einer der damals prägenden Wirtschaftsjournalisten.

Das Thema «Walder» sorgte allenthalben für Erzürnung und Wut. Statt von Ponyhof zu quasseln, würde man lieber wieder gute Korrektoren wie einst Helmut Eidinger und Jörg Casanova einstellen, damit happige Fehler in Texten und Bildlegenden, vor allem im Online-«Blick», ausgemerzt werden.

Die gute Sprache scheint im «Blick» völlig abhanden gekommen zu sein. Ebenso scheinen Kontrollinstanzen zu fehlen. So wurde letzthin der iranische Präsident Rohani im Foto mit Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei verwechselt. Oder die heutige SI-Reporterin Sarah van Berkel (ehemals Sarah Meier) wurde als ehemalige Eiskunstlauf-Weltmeisterin verkauft (sie gewann den EM-Titel). 

Auch über das grosse Ego des Marc Walder erhitzten sich die Gemüter. Seit er CEO ist, lässt er sich dauernd gross in seinen Medien in Bild und Text feiern. Ob sich der Super-«Blick»-Chef-Redaktor Christian Dorer damit seinen Job sichern möchte?

Viel schlimmer als Walders Egotrips freilich sind die Erzählungen diverser langjähriger Ringier-Mitarbeiter, denen mehrere Monate vor ihrer Pension gekündigt wurde. Das scheinbar ohne Angabe von Gründen. Erzählt wurde auch das Beispiel einer Telefonistin ohne Kinder, die bleiben durfte, während andere Telefonistinnen mit Kindern entlassen wurden. Dabei war es genau diese Telefonistin, die immer wieder bei ihren Kolleginnen vom Reichtum ihres Mannes geschwärmt habe mit den Worten, «wir haben so viel Geld, wir wissen nicht, wohin damit». Der Mann, der diese Entlassungen exekutierte, wusste das sehr wohl.

Fazit: Längst vorbei die Zeiten, als die Firma Ringier noch für seine soziale Personalpolitik hochgelobt wurde. Aber damals hiessen diejenigen, die das Sagen hatten, noch Hans Ringier und Heinrich Oswald.