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Dienstag
27.02.2018

Medien / Publizistik

Ján Kuciak wurde Opfer eines Attentats

Der Investigativjournalist Ján Kuciak und seine Lebensgefährtin sind in der Slowakei getötet worden. Am Sonntagabend wurden sie in ihrem Haus im Westen des Landes erschossen aufgefunden. Das Medienunternehmen Ringier Axel Springer vermutet, dass das Verbrechen in Zusammenhang mit Kuciaks journalistischer Tätigkeit stehen könnte.

Ján Kuciak schreibt seit 2015 als Redaktor für das Newsportal aktuality.sk, das zu Ringier Axel Springer Slowakei gehört. Am Montag berichtete das Unternehmen über das Attentat: «Auch wenn die Hintergründe noch nicht vollständig aufgeklärt sind, liegt der Verdacht nahe, dass das Verbrechen im Zusammenhang mit einer laufenden Recherche unseres Kollegen steht.»

Man werde alles tun, um die Ermittlungsbehörden dabei zu unterstützen, den Täter zu stellen, verspricht Ringier Axel Springer.

Wie die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) berichtet, habe der slowakische Polizeipräsident Tibor Gašpar bei einer Pressekonferenz die journalistische Tätigkeit von Ján Kuciak ausdrücklich als wahrscheinlichstes Motiv für den Doppelmord genannt.

Kuciak war beim Newsportal auf grosse Recherchen zu Korruption und Steuerhinterziehung spezialisiert. Weitere Journalisten von aktuality.sk sollen nun unter Polizeischutz gestellt werden.

Wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, habe der slowakische Innenminister Robert Kaliňák zudem eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise auf den oder die Täter ausgeschrieben. «Aber gerade Kaliňák und der Polizeipräsident Gašpar hatten in der Vergangenheit selbst wiederholt heftige Kritik an Aufdeckungsjournalisten geübt.»

Bastian Obermayer, Redakteur der «Süddeutschen», forderte in einem Kommentar ein deutliches Signal von der slowakischen Politik, dass sie ein derartiges Verbrechen nicht duldet. Erst im vergangenen Oktober wurde zudem in Malta die Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia ermordet.

Caruana und auch Kuciak haben gemäss Obermayer an den «Panama Papers» mitgearbeitet. «Die Rolle Deutschlands, ja die Rolle ganz Europas muss es nun sein, genauestens darauf zu achten, dass diese beiden Verbrechen aufgeklärt werden, und zwar um jeden Preis.»