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Donnerstag
27.06.2013

Das Interactive Advertising Bureau (IAB) hat Standards für Rich Media geschaffen, doch so richtig durchgesetzt haben sie sich noch nicht. Einige Schweizer Agenturen wenden die sogenannten Mobile Rich Media Ad Interface Definitions (MRAID) aber bereits an - und sind weitgehend zufrieden mit der Lösung des IAB. Ob sich die Standards aber durchsetzen, ist damit aber noch nicht klar.

Als Standard technisch implementiert wurden die MRAID bei der Digitalagentur Adello. «Die Standards sind wichtig für die Vereinfachung von Mobile Advertising für Agenturen», sagte Mark Forster, CEO von Adello, gegenüber dem Klein Report. «Es gibt Sicherheit und Unterstützung einerseits für die Erstellung und gleichzeitig für die Abwicklung von Kampagnen - man kann sich drauf verlassen, dass es überall korrekt funktioniert.»

Die Standards, die mit HTML5 und JavaScript funktionieren, sollen sicherstellen, dass Werbemittel in verschiedenen Apps korrekt angezeigt werden. Damit sollen die Werbemittel nicht mehr für jedes Gerät und jede Software angepasst werden müssen. «Standards sind wichtig, gerade bei den vielfältigen Möglichkeiten von Mobile. Es fällt der häufig vorgeschobene Vorwand weg, Mobile sei zu kompliziert», so Forster.

Auch bei der Kreativagentur H-Art, die zur GroupM gehört, wurden die IAB-Standards gut aufgenommen. «Es erlaubt uns, Mobile-Werbeformate zu produzieren, die auf verschiedenen Adservern und Netzwerken funktionieren», so Alex Savic, Client Director bei H-Art, gegenüber dem Klein Report. Die Agenturen erhoffen sich auch einen gewissen Auftrieb für die Mobile-Werbung.

«Bis jetzt mussten Werbebudgets zwischen verschiedenen Netzwerken und Plattformen geteilt werden», sagte Savic. «Die MRAID-Standards erlauben es, eine einheitliche Media-Strategie zu entwickeln.» Die Agentur und ihre Partner Mediamind, Google und Celtra würden mit den IAB-Vorschlägen arbeiten.

Weder Forster noch Savic sind der Ansicht, dass die IAB mit der Einführung von Standards angesichts der rasanten technischen Entwicklung zu früh kommen. «Obwohl es neue Formate immer geben wird, ist es trotzdem sehr hilfreich, sich bei den Formaten so schnell wie möglich auf Standards zu einigen, die schon existieren», so Savic.

Diese Einschätzung teilt auch Forster: «Die Standards legen einen Rahmen fest, innerhalb von ihnen enorm hohe Kreativität möglich ist», sagte er. «Zudem wird MRAID laufend erweitert, passt sich also der Entwicklung an.» Erst im September war die zweite Version von MRAID erschienen, im April 2013 wurde diese bereits wieder überarbeitet.

Dass die IAB-Standards aber in allen Belangen auf gleicher Höhe wie die anderen Angebote sind, das unterschreiben Forster und Savic nicht. «Es kommt drauf an, womit man vergleicht», so Forster. «Ich halte die Definition für sinnvoll. Wir sehen positive Reaktionen vonseiten der Werbeauftraggeber. So gesehen, erfüllt der Standard seinen Zweck.»

«Es gibt natürlich Plattformen, die mehr Flexiblität und Funktionalität anbieten als MRAID», meinte auch Alex Savic. «Trotzdem sehen wir MRAID als sehr wettbewerbsfähig.» Mark Forster sieht momentan gute Chancen, dass sich MRAID durchsetzt. «Wie es in einem Jahr aussieht, werden wir sehen», sagte er.

Nicht alle machen bei den IAB-Standards mit. Prominenter Vertreter ist Apple, das auch bei der Werbung einen proprietären Ansatz verfolgt. Apple etwa hat bei der Entwicklung der Regeln für Rich Media bisher nicht mitgewirkt und stattdessen die iAd für die In-App-Werbung entwickelt.

«Was Apple entscheidet, kann ich nicht beurteilen», meinte Forster. «Ich denke aber, dass jeder Marktteilnehmer überlegen sollte, ob ein gemeinsames Vorgehen nicht allen dienen könnte und dem Markt als Ganzes zu mehr Gewicht verhilft.» Deutlicher formuliert dies Savic: «Natürlich würden wir es gerne sehen, wenn Apple mitmachen würde. Wir machen uns da aber keine Hoffnungen.»