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Mittwoch
10.04.2019

TV / Radio

«Wir sind verpflichtet vor Abstimmungen auch die Kritik an einer Vorlage zu erwähnen»

Zwischen Bundespräsident Ueli Maurer und dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) herrscht nach dem abgeblasenen Interview Klärungsbedarf. Reto Lipp, Moderator der Wirtschaftssendung «Eco», erklärt gegenüber dem Klein Report, wie es vor der Sendung am Montag zum Eklat gekommen ist.

«Fairerweise zeigen wir jedem Gast vor der Sendung den Beitrag, der vor dem Interview läuft», sagt Lipp. So auch am Montag: «Der zuständige Redaktor Dani Daester und ich haben zusammen mit Ueli Maurer und seinem Pressechef den Beitrag angesehen.»

Auf der Webseite von SRF «Eco» ist der strittige Einspieler weiterhin online. In der fünfminütigen Videosequenz heisst es unter anderem, während im Hintergrund Bilder von Trauben, Weinflaschen und Reben eingespielt werden: «Ein Gleichnis eignet sich, um die neue Steuervorlage zu beschreiben. Sie sei alter Wein in neuen Schläuchen, sagen Kritiker.»

Reto Lipp führt aus, wie der Finanzminister auf den Einspieler reagiert hat: «Ueli Maurer sagte, das Bild des ´alten Weins in neuen Schläuchen`, das drei Mal im Beitrag als Bildidee vorkommt, sei falsch und zudem sei der im Beitrag vorkommende Professor Christoph Schaltegger von der Uni Luzern ´in etwa der einzige Kritiker der Vorlage`. Man könne ihn nicht in einem Beitrag bringen.»

An dieser Stelle versuchte Lipp mit einem neuen Vorschlag, das Interview zu retten. Der SRF-Moderator führt gegenüber dem Klein Report aus: «Wir hatten noch einen zweiten Teil des Interviews geplant, in dem es um den Schuldenabbau des Bundes ging. Ich schlug Ueli Maurer vor, diesen Teil wegzulassen und ihm nochmals drei Minuten mehr Sendezeit zu geben, um seine Vorlage zu erklären.»

Für Ueli Maurer seien insgesamt acht bis neun Minuten vorgesehen gewesen, so Lipp, in denen der Bundespräsident auf die Kritik im Beitrag hätte eingehen können. «Das Angebot wurde abgelehnt - ´ich gehe jetzt`, sagte er und verschwand», beschreibt der «Eco»-Moderator den Ablauf.

Am Montag hiess es aus dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) zum abgeblasenen Interview, dass «die Voraussetzungen den Abmachungen nicht entsprochen haben», wie EFD-Sprecher Roland Meier gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Darauf entgegnet Reto Lipp im Klein Report: «Es gab keine Abmachungen, ausser dass Ueli Maurer sogar eine Woche vorher die Fragen bekommen hat sowie das Setting mit den zwei verschiedenen Teilen des Interviews. Erster Teil zur Steuervorlage, zweiter Teil zum Schuldenabbau.»

Lipp weiter: «Jeder, der unsere Sendung kennt (und Ueli Maurer war schon bei ´ECO`, und Pressechef Peter Minder hat früher beim Fernsehen gearbeitet) weiss, dass wir vor einem Interview einen kleinen Einspieler setzen, um das Thema zu umreissen und allenfalls auch schon die Kritik zu bringen, worauf dann der Gast eingehen kann.»

Der Sender sei verpflichtet, vor Abstimmungen auch die Kritik an einer Vorlage zu erwähnen, so Lipp. «Es ist klar, dass im Einspiel-Beitrag auch die Position der Kritiker an der Vorlage umrissen werden muss, sonst wäre das ja völlig unfair und total einseitig.»

Dann fügt der SRF-Moderator noch an: «Peter Minder, der Pressechef von Maurers Finanzdepartement, hätte mich in der letzten Woche jederzeit nochmals kontaktieren können bezüglich Setting oder Inhalt des Beitrags. Viele Medien-Chefs machen das, meist am Freitag vor der Sendung. Aus Bern kam nichts, da nahm ich an, dass alles in Ordnung sei.»

Ganz ohne Interview ging die «Eco»-Sendung am Montagabend aber doch nicht über die Bühne. «Mit dem Industriellen ´Bucher Industries`-Präsidenten und Vize-Swissmem-Chef Philip Mosimann hatten wir einen sehr guten Ersatz für Ueli Maurer, der aus Sicht der Wirtschaft die Vorlage analysierte. Philipp Mosimann bekam übrigens genau die gleichen Fragen im Interview gestellt, wie Ueli Maurer sie bekommen hätte.»