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Mittwoch
06.10.2021

Medien / Publizistik

«Wenn sich niemand anderes interessiert, mich ein Mensch aber berührt, dann ist mein Interesse geweckt», sagt Autor Adreas Wenderoth zur Wahl seiner Protagonisten.

Ehre für eine Paradeform des klassischen Journalismus – und fürs Schweizer Magazin «Reportagen»: Das Erzählstück «Dr. Gross, der Übermensch» von Andreas Wenderoth ist mit dem Herbert-Riehl-Heyse-Preis der «Süddeutschen Zeitung» bedacht worden.

Das ausgezeichnete Porträt handelt vom Leben eines inzwischen 76-jährigen «philosophischen Privatgelehrten», der als junger Erwachsener an einer schizophrenen Psychose erkrankt, sich wahlweise als Jesus, Stalin oder Beethoven sieht und über Jahre hinweg immer wieder in Kliniken eingewiesen wird.

«Für mich ist er ein sehr anrührender, wunderbarer Mensch, der sich durch furchtbare Schicksalsschläge hindurch etwas sehr Positives bewahrt hat, das auch ansteckend ist», sagte Andreas Wenderoth zu dem Porträtierten.

Der Berliner arbeitet als freier Reporter und Buchautor. «Wenn sich niemand anderes interessiert, mich ein Mensch aber berührt, dann ist mein Interesse geweckt.» So finde er seine Protagonisten.

Von Peter Gross, der anonymisierten Hauptfigur, habe ihm eine Freundin erzählt. Das prämierte Porträt ist erschienen in Nummer 55 des Berner Magazins «Reportagen».

Der Journalistenpreis, der seit 2005 vergeben wird, wurde von den Gesellschaftern des Süddeutschen Verlags gestiftet. Die mit 10‘000 Euro dotierte Trophäe wird zur Erinnerung an den leitenden Redaktor der «Süddeutschen Zeitung» Herbert Riehl-Heyse verliehen.