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Donnerstag
27.10.2016

IT / Telekom / Druck

Das Heisseste auf dem Serienmarkt, das Intellektuelle, Medienjunkies und Technogeeks begeistert, ist in der Schweiz noch völlig unbekannt. Für den Klein Report bespricht Medienexpertin Regula Stämpfli als grosser Science-Fiction-Fan (auch Frauen dürfen das...) die phänomenalen Staffeln von «Black Mirror».

Schon 2011 brachte Channel 4 die erste «Black Mirror»-Staffel. Ohne viel zu verraten, geht es in der ersten Sendung um einen Premierminister und ein Schwein – lange bevor Ex-Premier Camerons Vorliebe für bizarre Sex-Rituale öffentlich wurde. Ich hab noch nie eine derart präzise, harsche, geniale Massenmedienkritik gesehen, so viel Einsicht in die narzisstische Gesellschaft des 21. Jahrhunderts bekommen und so viel über menschliche Voyeurslust erfahren. Unfassbar great. 

Die Staffeln sind in drei unabhängige Folgen gegliedert und via Netflix einsehbar. Charlie Brooker und Annabel Jones sind die bemerkenswerten VordenkerInnen des Konzepts: Jede Episode spielt an einem anderen Schauplatz, mit anderer Besetzung und in einer neuen Realität. Die Serie handelt aber in jedem Teil von «der Art, wie wir alle leben und innerhalb von zehn Minuten leben könnten, wenn wir ungeschickt wären», so die Macher von «Black Mirror».

Der «Guardian» bespricht die Serie unter dem Titel «Eine sterile Welt - nur fünf Minuten von unserer entfernt». Als wäre dies nicht beängstigend genug, las ich – ein paar Tage, nachdem mich das Grauen über den Inhalt einer Serie nicht mehr losliess; die Folge, in der eine trauernde Geliebte mit ihrem toten Freund redet – über einen Chatbot, der es tatsächlich ermöglicht, mit Toten zu sprechen. 

«Griefbots» heisst das Ding, und lässt – wie im Film, nur in Realität – das Grauen nicht mehr gehen. Jenseits heisst: Auf ewig konzipiert, programmiert und aufbewahrt. Tot wie lebendig. 

Die Entwicklerin, welche die «Griefbox» programmiert, verwendet alte Texte, Posts, Stimmen et cetera ihres Ex-Geliebten, der bei einem Unfall starb. Eugenia Kuyda ist die Erfinderin aus (na, woher wohl?) San Francisco und meint, die Chatbox helfe allen, zu trauern.

Wer «Black Mirror» gesehen hat, weiss, wohin dies führt. And let me tell you: Weder Sie noch ich möchten jemals an diesem Ort, in dieser Zeit oder mit diesen Programmen inklusive Entwicklerinnen auch nur einen Hauch zu tun haben.  

Wenn wir wissen wollen, was wir definitiv in Zukunft im Zusammenleben mit der Maschinenherrschaft respektive deren Masterminds nicht wollen, müssen wir alle «Black Mirror» schauen. Und dann meinen neunminütigen TEDx-Talk von diesem Jahr – als kleiner Beginn auf dem Weg zu einer Datenverfassung, die Menschen und nicht Maschinen befreit.