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Samstag
06.07.2019

Medien / Publizistik

Noch vor dem Konkurs wurden vier Millionen Franken nach Mumbai überwiesen

Wo sind sie geblieben, die Millionen aus den Geschäften der ehemaligen Publicitas? Im laufenden Konkursverfahren tauchen immer neue und grössere Fragezeichen auf. So ging eine Zahlung von über vier Millionen Franken noch kurz vor dem finalen Lichterlöschen an eine Publicitas-Firma in Mumbai.

Nach Angaben von Marco Lucchinetti, Notar-Stellvertreter vom Konkursamt Aussersihl-Zürich, wurde das Geld über die Credit Suisse - die damalige Hausbank der Publicitas - nach Indien überwiesen. In welche Kanäle das Geld danach weiterfloss, ist bis heute unklar.

Fakt ist: Die Mumbai-Zahlung ist unterdessen ins Visier des Konkursverwalters geraten. Denn auf den Schweizer Bankkonten der ehemaligen Publicitas fehlt jede Spur von den vier Millionen, wie ein Blick auf das Inventar zeigt: Bei der Credit Suisse liegen nur noch 1,1 Millionen, bei der UBS 421'000 Franken und bei der PostFinance 1,56 Millionen Franken.

Die vom Konkurs betroffenen Gläubiger fühlen sich deshalb um diesen Haufen Geld betrogen. Viele bezweifeln, dass bei der undurchsichtigen Transaktion alles mit rechten Dingen zugegangen ist. «Das stinkt doch zum Himmel», so eine von zahlreichen aufgebrachten Personen gegenüber dem Klein Report. Der Frust unter den direkt Betroffenen ist riesig: «Das ist einfach alles eine Riesenschweinerei», sagte ein weiterer Gläubiger.

Die Suche nach den Hauptverantwortlichen des Millionenschadens wurde spätestens an der Gläubigerversammlung vom 26. Juni eröffnet. Im Fokus steht dabei auch Joerg Nuernberg, bis zum Konkurs einer der Hauptakteure bei der Publicitas. Der Group CEO und Partner des gefallenen Unternehmens ist für die Geschädigten des Konkurses überhaupt nicht greifbar.

Aus dem Plenum der fassungslosen Gläubiger tauchte deshalb die Frage auf, ob Joerg Nuernberg zumindest für die Konkursverwaltung erreichbar sei. Marco Lucchinetti bejahte, dass die Kontaktaufnahme telefonisch und per E-Mail geklappt habe.

Die eigentliche Hauptfrage, wo die vier Millionen Franken geblieben sind, steht aber weiterhin im Raum. Brigitte Umbach-Spahn, die an der Gläubigerversammlung vom 26. Juni zur ausseramtlichen Konkursverwalterin gewählt wurde, erklärte auf Anfrage des Klein Reports: «Es ist ein Sachverhalt, welcher von der Konkursverwaltung abgeklärt werden wird», so die Anwältin der Kanzlei Wenger Plattner.

Im Hintergrund der Nachforschungen ticken bereits die Uhren der Verjährung. Doch der rechtliche Fristenablauf soll den vier Millionen Franken auf ihrem möglichen Weg von Mumbai zurück in die Konkursmasse nicht in die Quere kommen. Gemäss Marco Lucchinetti wurde deshalb vereinbart, dass die Parteien die Verjährung bis Mai 2020 nicht geltend machen.