Content:

Dienstag
19.4.2016

Medien / Publizistik

Huber: «Leute von Provokationen genervt»

In einem Interview mit der «Zürichsee Zeitung» setzt SVP-Politiker Christoph Blocher die Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten mit der medialen Berichterstattung zur Durchsetzungsinitiative (DSI) gleich. Zur selben Initiative warben die Gegner Ende Februar mit einem Plakat, das ein weisses Hakenkreuz auf weissem Grund zeigte.

Beide Aktionen lösten ein enormes mediales Echo aus und brachten den Betroffenen grosse Publicity. Gegenüber dem Klein Report erklärt PR-Berater Roger Huber – Inhaber der Huber Media Consulting GmbH –  jedoch, weshalb Aufmerksamkeit allein nicht erfolgversprechend ist und Nazivergleiche den Betroffenen immer schaden.

Der ehemalige Bundesrat Christoph Blocher ist ein alter Hase im Politgeschäft. Der Chefstratege der grössten Schweizer Partei provoziert seit Jahrzehnten bewusst und mit Erfolg. War sein Nazivergleich zur DSI und der medialen Berichterstattung deshalb nicht mehr als blosses politisches Kalkül? «Ich denke eher, das war eine Verzweiflungstat», sagt PR-Berater Roger Huber zum Klein Report.

«Wenn kein Vergleich mehr zieht, dann schwingt er halt die Nazikeule», so der ehemalige Journalist weiter. Dass die Boulevard-Medien wie Lemminge darauf aufspringen würden, sei klar gewesen. «Und Christoph Blocher weiss, wie man die Klaviatur des Boulevards spielen muss.»

Das gleiche gelte auch für die Gegner der DSI, die an verschiedenen Schweizer Bahnhöfen kurz vor der Abstimmung Ende Februar mit einem Hakenkreuz-Plakat warben. Auch in diesem Fall war das mediale Echo gross.

Aber: «Dass ein grosses mediales Echo gleich bessere Publicity bedeutet, ist ein weit verbreiteter Irrglaube», ist sich Huber sicher. Nazivergleiche mit Dingen, die in keinem Verhältnis zur Grausamkeit der Judenverfolgung stehen würden, seien unangebracht und einfach unmöglich. «Immer mehr Leute fühlen sich davon abgestossen oder zumindest nicht angesprochen», glaubt der PR-Berater.

Die Nazikeule schade deshalb immer, auch wenn der Aufschrei in den Medien gross sei. Diese «Medien-Hysterie» ist Huber indes ein Dorn im Auge: «Der Boulevardjournalismus verlangt nach solchen `Skandal`-Geschichten. Dies fördert aber nicht gerade die Qualität der Artikel», so Huber.

Zudem würden «politischen Ideologiekämpfe» über die Boulevardmedien die Politikverdrossenheit der Bevölkerung enorm stärken, ist sich der PR-Berater sicher. «Die Leute sind von solchen plumpen Provokationen mehr und mehr genervt», sagt Huber abschliessend zum Klein Report.