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Montag
4.7.2011

Seit zwei Jahren ist die interaktive Debattier-Plattform politnetz.ch online. Mittlerweile diskutieren über 3000 Politiker mit ihren Wählern auf der Website, die im Rahmen einer Start-up-Finanzierung durch die Zürcher Kantonalbank unterstützt wird. Der Klein Report hat mit Andreas Amsler über das Polit-Medienprojekt gesprochen. Amsler ist 34 Jahre alt, hat Germanistik studiert und gründete politnetz.ch zusammen mit zwei Kollegen.

Klein Report: politnetz.ch stellt den direkten Kontakt zwischen Politikern und Bürgern her, indem es die Medien einfach auslässt. Stimmt diese These?
Andreas Amsler: Einerseits organisieren wir tatsächlich den Dialog zwischen Wählern und Kandidaten. Darüber hinaus spielen wir diesen Dialog pfannenfertig an die Medien weiter. Im Rahmen der Partnerschaft mit «20 Minuten Online» werden die Online-Diskussionen mit der grössten Aufmerksamkeit direkt in den redaktionellen Teil der Online-Ausgabe eingebettet.

Klein Report: Das heisst, «20 Minuten Online» macht Werbung für das Campaigning von politnetz.ch?
Amsler: Nein, wir machen kein Campaigning, sondern betreiben eine Meinungsplattform. politnetz.ch bietet etwas, was «20 Minuten Online» selbst nicht hat - und selbst auch nicht bieten kann. Nachdem die Onlinezeitung keinen eigenen Lokaljournalismus betreibt, liefern wir wertvolle Inhalte. Hier entwickeln wir echten Bürgerjournalismus. Zudem bereiten wir jeweils vor Abstimmungen Empfehlungen von Politikern aller Couleur für «20 Minuten Online» auf.

Klein Report: Und in welche Richtung fliesst das Geld?
Amsler: «20 Minuten Online» entschädigt dieses Wahljahrpaket mit einem Globalbetrag, der weniger als ein Viertel unseres Budgets ausmacht.

Klein Report: Woher kommt das restliche Geld? Immerhin sind ja fünf Leute bei politnetz.ch beschäftigt.
Amsler: Neben der Medienpartnerschaft, zu der nächstens auch das Schweizer Fernsehen dazustossen wird, finanzieren wir uns über ein Premium-Modell à la Xing. Dabei können Politiker, die als Kandidaten mehr als die Basisfunktionen nutzen möchten, ab 15 Franken pro Monat Zusatzleistungen kaufen. Das dritte Finanzierungsstandbein sind Dienstleistungen für Behörden, die Beteiligungsprozesse für die Bevölkerung im Internet organisieren möchten. Und schliesslich haben wir drei Gründer und weitere private Investoren in unser Start-up investiert.

Klein Report: Wem habt ihr das alles abgeschaut?
Amsler: Es gibt in diesem Bereich kein Vorbild. Das Konzept haben wir im Team entworfen und stetig weiterentwickelt. Ziel und Motivation ist es, in einer Zeit des kommunikativen Wandels die Art und Weise der zukünftigen Kommunikation mitzuprägen. Wir möchten den Austausch zwischen Menschen nicht den grossen Unternehmen wie Facebook und Konsorten überlassen, die sich am kurzfristigen Gewinn orientieren. Im Sinne der Volksbildung wollen wir zu einer kritischen und verantwortlichen Kommunikationskultur beitragen.