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Donnerstag
14.05.2020

Medien / Publizistik

Für die NZZ ist der Fall klar: CH Media werden «keine Mittel» entzogen, sondern vollumfänglich verwendet, um das journalistische Angebot «aufrechtzuerhalten».

Nach heftiger öffentlicher Kritik von Aktionär Daniel Brunner an der Dividendenpolitik von der NZZ-Gruppe und CH Media hat die «alte Tante» Stellung bezogen. Die Aussagen im offenen Brief vom Mittwoch würden «nicht den Tatsachen entsprechen».

Daniel Brunner warf der AG für die Neue Zürcher Zeitung vor, dass sie mit ihrer Dividendenpolitik finanzielle Mittel der Tochtergesellschaften entziehen würde. Die scharfe Kritik war in einem offenen Brief verpackt, der am Mittwoch als Inserat in verschiedenen Medien publiziert wurde, darunter auch im «Blick» von Ringier.

Am Mittwochnachmittag meldete sich die «Neue Zürcher Zeitung» auf Twitter zu den Vorwürfen. Auf dem eigenen Account schrieb die NZZ, dass sich die Aussagen von Daniel Brunner «an einer überholten Struktur» orientieren würden und daher «falsch» seien. «Die früheren NZZ-Regionalmedien in Luzern und St. Gallen werden heute von CH Media herausgegeben – und nicht mehr von den regionalen Holding-Gesellschaften.»

Die CH Media, an der die AZ Medien AG und die NZZ-Mediengruppe je 50 Prozent der Aktien halten, schütte keine Dividende aus. Stattdessen werde diese in ein «nachrangiges Aktionärsdarlehen umgewandelt», das zur Absicherung der Liquidität von CH Media beitragen soll.

Diese Aktion wurde von Verleger Peter Wanner von den AZ Medien initiiert, ergänzt der Klein Report. Wanner ist es wohl etwas mulmig geworden, nachdem das Joint-Venture für 2019 doch stattliche 19 Millionen Franken Gewinn ausgewiesen hat.

Gemäss NZZ würden CH Media «keine Mittel entzogen». «Diese werden vollumfänglich verwendet, um das journalistische Angebot in Corona-Zeiten aufrechtzuerhalten und um die Liquidität abzusichern.

Auch gegenüber dem Klein Report hat die NZZ am späteren Mittwochnachmittag Stellung bezogen. Denn auf dem Inserat ist nicht nur eine scharfe Kritik abgedruckt, sondern auch ein kleiner Vermerk, dass die NZZ, CH Media und Tamedia die Publikation dieses Inserats «abgelehnt» hätten.

Auf die Frage des Klein Reports, warum dem so sei, antwortete Kommunikationsleiterin Seta Thakur: «Aussagen, die offensichtlich nicht den Tatsachen entsprechen, publizieren wir nicht – unabhängig davon, ob sie an uns selbst oder andere adressiert sind.»

Der Klein Report hat mit der gleichen Frage auch bei den anderen beiden Medienkonzernen, die alle auf Kurzarbeit sind, angeklopft. Bei Tamedia hiess es, dass das Inserat auf «Grundlage der Vertragsfreiheit» abgelehnt worden sei.

CH Media konnte die gesetzte Deadline für die Antworten nicht einhalten und hat bis am Mittwochabend keine Stellungnahme abgegeben.