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Montag
07.10.2019

Medien / Publizistik

Ist die Strassenzeitung ein Auslaufmodell?

Das Schweizer Strassenmagazin «Surprise» vermeldet einen Auflagenzuwachs um sieben Prozent. Dies in einer Zeit, in der das Modell der Obdachlosenzeitung totgesagt wird.

«Den Strassenmagazinen gehen die Leser aus», titelte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» im Frühjahr 2018. Das Modell der von Journalisten gemachten, von Obdachlosen verkauften Zeitschrift sei in dem kälteren sozialen Klima in die Jahre gekommen. Dies, nachdem in den 90er-Jahren in vielen mitteleuropäischen Städten Strassenzeitungen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

In der Schweiz hat «Surprise» am Freitag seine Wemf-Zahlen bekannt gegeben: 2019 konnte das 14-tägig erscheinende Strassenmagazin gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf knapp 19‘500 Exemplare steigern. 

Ist der Strassenfeger also doch kein Auslaufmodell? So sehen es zumindest die Basler Magazinverantwortlichen:  «Für uns ist es ein Beweis dafür, dass engagierter Journalismus seine Berechtigung hat», sagte «Surprise»-Co-Leiterin Diana Frei am Freitag zum Auflagenplus.

Die Leser seien interessiert an der Realität sozial Benachteiligter: «Die ´Surprise`-Redaktion kennt sie als Menschen, die oft einen spannenden, präzisen Blick auf die Gesellschaft haben.»

Und die «Surprise»-Journalisten hätten an ausführlichen Artikeln festgehalten, weil sie finden, in der Verkürzung finde Stereotypisierung statt, so Diana Frei weiter. «Wer jeden Sachverhalt in Kurzfutter und Push-Nachrichten verpackt, muss dafür auf Vorstellungen zurückgreifen, die bereits in den Köpfen verankert sind, um eine Sache verständlich zu machen.»

Das Modell Strassenzeitung jedenfalls bewähre sich weiterhin, gibt sich die Co-Leiterin überzeugt: «Nicht nur als soziales Projekt, sondern auch als Print-Publikation».

«Surprise» entstand 1995 durch die Fusion der Zürcher Arbeitslosenzeitung «Kalter Kaffee, ganz heiss» mit dem Basler «Stempelkissen», das zwei Jahre zuvor lanciert worden war.