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Donnerstag
08.08.2019

Medien / Publizistik

Schlagzeile entzweit Leserschaft

Nach massiven Protesten gegen den Titel «Trump fordert Einheit gegen Rassimus» hat die «New York Times» die Headline ihrer Aufmachergeschichte in einer zweiten Auflage geändert.

Nun werfen Leserinnen und Leser verschiedener politischer Lager der Zeitung Flatterhaftigkeit vor und kündeten an, Abonnements zu kündigen.

Zunächst hagelte es vor allem vonseiten der Demokraten massive Kritik gegen den Titel der Aufmachergeschichte vom 6. August. Dass Donald Trump zur Einheit gegen Rassismus mahne, entspräche nicht der Wahrheit und würde die rassistischen Aussagen des US-Präsidenten verharmlosen, der in der Vergangenheit vor allem mit abfallenden Bemerkungen gegenüber Schwarzen und Mexikanern aufgefallen war.

Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, die zu den härtesten und populärsten Gegnern von Trump zählt, hatte in einem Tweet vom Dienstag geschrieben: «Lassen Sie diese Titelseite als Erinnerung daran dienen, wie die weisse Vormachtstellung durch die Feigheit der Mainstream-Institutionen unterstützt wird und sich oft darauf stützt.»

Auch Bill de Blasio, Bürgermeister von New York, verurteilte den Titel und spielte im Netz auf den Slogan der «New York Times» an, der «Die Wahrheit ist es wert» lautet. In einem Tweet fragt de Blasio zynisch, was mit diesem Slogan passiert sei. Die Headline sei «nicht die Wahrheit und es nicht wert», so der Bürgermeister und Mitglied der Demokraten.

Reaktionen wie diese veranlassten Hunderte Abonnenten der Tageszeitung auf Twitter und weiteren sozialen Medien zu verkünden, ihre Abonnements zu kündigen. Die Medien hätten einmal mehr bewiesen, nicht neutral zu sein und das rechte Lager um Präsident Donald Trump zu bevorzugen.

Nach einem regelrechten Shitstorm knickte die Zeitung am Dienstagabend schliesslich ein und änderte kurzum die Headline in «Kritik am Hass, aber nicht an den Waffen». Zwar konnte man damit Linke und Demokraten teilweise besänftigen, doch nutzten sofort rechte Gruppierungen den neuen Titel, um dem Blatt Wankelmütigkeit vorzuwerfen.

Der Journalist Howard Kurtz, der unter anderem «Fox News Media Buzz» moderiert, meinte in einem Interview, dass sich die «New York Times» einem «linken Mob gebeugt hätte» und an dem ursprünglichen Titel nichts Verwerfliches gewesen sei. Man hätte sich von den Demokraten zu stark unter Druck setzen lassen und damit erneut das Image der Medienwelt in den Dreck gezogen, schwurbelte Kurtz.