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Donnerstag
28.01.2021

Medien / Publizistik

Verleger Norbert Bernhard: «Ich rechne damit, dass wir in den ersten fünf Jahren rund 50 Millionen Franken benötigen...»

Der Verleger des Magazins «Private», Norbert Bernhard, will mit der ganz grossen Kelle anrichten: Ab Herbst will er mutig eine neue Print-Gratiszeitung in der Stadt Bern lancieren. Die «Neue Berner Zeitung» ist eine Antwort auf die Fusion der Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Bund».

Seit vergangenem Oktober ist bekannt, dass Tamedia die Redaktionen der Tageszeitungen «Berner Zeitung» und «Bund» per April 2021 zusammenlegen will. Diese Sparmassnahme des Konzerns aus Zürich sorgt nun für Bewegung in der Berner Presselandschaft, wie die «Handelszeitung» am Mittwoch schrieb.

Auf Nachfrage des Klein Reports bestätigte Bernhard seine Pläne in der Bundesstadt. Die «Neue Berner Zeitung» sei eine Antwort auf den «langfristigen Rückzug von Tamedia aus Bern», sagte Bernhard. «Die Zusammenlegung der Redaktionen hat nicht nur bei Medienschaffenden für Unmut gesorgt», so der gebürtige Berner.

Norbert Bernhard, der unter anderem das Magazin «Private» herausgibt, befürchtet, dass die jüngsten Sparpläne von Tamedia nur «ein weiterer Schritt» hin zur endgültigen Einstellung des Berner Modells seien. Das sogenannte Berner Modell hat bisher eine gewisse Meinungsvielfalt in der Region Bern garantiert. Die zwei Tageszeitungen «Bund» und «Berner Zeitung» decken eine Breite an Themen und Haltungen ab.

Die angekündigte Zusammenlegung sei letztlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, erklärte Norbert Bernhard gegenüber dem Klein Report, zwar gefasst, aber auch leicht genervt.

Mit der «Neuen Berner Zeitung» soll also die Medienvielfalt in Bern ein Stück weit erhalten bleiben. Doch weshalb will der Verleger ausgerechnet eine gedruckte Gratiszeitung lancieren? «Diese erlaubt uns, gleich von Anfang an mit einer grossen Auflage von ungefähr 70‘000 Exemplaren zu starten. Damit sind wir vom Beginn an interessant für Werbetreibende», ist Norbert Bernhard felsenfest überzeugt.

Zudem kommt ihm seine Erfahrung zugute: Denn seit über zwanzig Jahren gibt Bernhard das kostenlose Magazin «Private» heraus, das auf Themen rund um Banking, Immobilien und Versicherung spezialisiert ist.

Ein Pendant zu «20 Minuten» soll die «Neue Berner Zeitung» allerdings nicht werden: «Ich will kein Tabloid-Format drucken, sondern eine ansprechende Publikation im klassischen Zeitungsformat. Es soll eine Zeitung sein, die man gerne in einem Café liest», sagte Bernhard zum Klein Report in einem Gespräch am Mittwoch.

Neben den täglichen Printausgaben, die von Montag bis Samstag erscheinen sollen, ist auch ein «moderner Internetauftritt und ein E-Paper-Angebot» geplant, fügt er an.

Geplant ist eine Vollredaktion in Bern mit den üblichen Ressorts: von der Regionalberichterstattung über Inland- und Auslandpolitik bis hin zu Wirtschaft, Sport und Kultur soll laut den ehrgeizigen Plänen von Bernhard alles abgedeckt werden. Und: «Die ‚Neue Berner Zeitung‘ wird politisch völlig neutral sein.»

Das Ganze soll durch Werbeeinnahmen sowie Investorinnen und Investoren finanziert werden. «Ich rechne damit, dass wir in den ersten fünf Jahren rund 50 Millionen Franken benötigen», sagte der Verleger als Antwort auf die Gretchenfrage.

Bernhard wird in erster Linie lokale Banken in Bern anfragen, ob sie Geld für die «Neue Berner Zeitung» sprechen wollen. Auch wohlhabende Privatpersonen, die sich «für die Pressevielfalt engagieren wollen», kann er sich als Geldgeber vorstellen.

«Ich hoffe, dass es mit der Finanzierung des Zeitungsprojekts klappt», sagte der Verleger. Mit einer Geld-zurück-Garantie oder einer Rendite könne man als Geldgeber aber nicht so schnell rechnen. Da müsse, zumindest in der Startphase, auch viel «Herzblut» der Financiers in das Projekt fliessen.

Auf jeden Fall wolle er die redaktionelle Unabhängigkeit sicherstellen – egal, von wo letztlich das Geld herkomme, so Bernhard.

Momentan sei er noch damit beschäftigt, Offerten bei Druckereien, Nachrichtenagenturen und Vertriebsorganisationen einzuholen. Danach mache er sich die Suche nach Geldgebern. Im besten Fall erscheint die «Neue Berner Zeitung» im kommenden Herbst.