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Donnerstag
5.1.2017

Medien / Publizistik

Wie viel Vitamin B verträgt eine Redaktion?

Dass sich Menschen bei der Arbeit kennenlernen, Hochzeit feiern und Kinder bekommen, gehört zu den Geschichten, die das Leben schreibt. Manchmal führen diese familiären Verwicklungen aber auch zu skurrilen, ja mitunter gar peinlichen Situationen in den Redaktionen.

Wie bei der NZZ: Claudia Schwartz, die Ehefrau von Chefredaktor Eric Gujer, suchte kürzlich eine Bildredaktorin auf und bat sie, ein passendes Bild für eine Geschichte zu suchen. Weil die Geschichte aber erst später erscheinen sollte und die Bildredaktorin zuerst ihre tagesaktuellen Suchaufträte erledigen wollte, schob sie den Auftrag von Claudia Schwartz auf ihrer To-do-Liste deshalb ganz nach hinten.

Was der Gattin des NZZ-Chefredaktors überhaupt nicht passte. Statt das Problem wie Erwachsene von Angesicht zu Angesicht zu lösen, schickte Claudia Schwartz ihren Angetrauten in die Fotoredaktion. Eric Gujer tadelte die Bildredaktorin coram publico. Das liess sie sich nicht bieten und reichte deshalb umgehend die Kündigung ein.

Claudia Schwartz ist auf der NZZ-Redaktion schon länger ein Thema. «Vorfälle wie dieser mit der Bildredaktorin zeigen, dass sie ihre Stellung für ihre Zwecke fast schon schamlos ausnützt», so ein NZZ-Insider.

Familliäre Verwicklungen ereignen sich aber auch ein paar Häuser weiter bei Ringier an der Dufourstrasse. Denn Tuschelthema Nummer 1 ist seit kurzem die Familienbande von René Lüchinger, ex-«Blick»-Chefredaktor und Birgitta Willmann, Leiterin Content Publishing bei Ringier.

Seit René Lüchinger nicht mehr tagesaktuell arbeiten muss, hat er das Coaching von seiner Frau übernommen und fungiert als «Einflüsterer». Ein «Einflüsterer», der immer noch kolportierte 300 000 Franken im Jahr bezieht. Seit einigen Tagen hat Familie Lüchinger nun bei Ringier arbeitstechnisch Zuwachs bekommen. Jetzt arbeitet auch Sohnemann Moritz im Pressehaus.

Der Junior ist seit kurzem dafür zuständig, dass die Inhalte der verschiedenen Beilagen, die seine Mutter mit ihrem Team produziert, fürs Online aufgearbeitet werden. Er hat ein 20-Prozent-Pensum.

Dass der Sohnemann des Ehepaares nun auch noch bei Ringier arbeitet, finden viele im Pressehaus an der Dufourstrasse einfach nur peinlich. Auch die Personalabteilung hatte diesbezüglich ihre Bedenken und riet deshalb von einer Einstellung ab. Doch die Intervention der Personalabteilung liess Birgitta Willmann und René Lüchinger kalt. Sie boxten die Einstellung durch - Nepotismus eben.