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Freitag
23.11.2018

Medien / Publizistik

Werbe-Ummantelung

Wer «20 Minuten» nicht zu seinem täglichen Newskonsum zählt, wurde trotzdem mit der Werbekampagne für die Selbstbestimmungsinitiative der SVP regelrecht zugemüllt.

Die Empörung im Netz bediente sich jedes Mal eines Bildes der entsprechenden Kampagne: Das weisse Minarett, in den blauen Schweizer Himmel ragend, ist untertitelt mit «Sollen türkische Richter unser Minarettverbot aushebeln können? Wer das nicht will, sagt Ja zur Selbstbestimmungsinitiative!»

So oft wurde im bisherigen Abstimmungskampf kein einziges Plakat verteilt: Die Kampagne der SVP in «20 Minuten» (Auflage über 430.000) ging viral. Die Nachfolgekampagne gegen den Migrationspakt ist ebenfalls erfolgreich, nicht zuletzt wegen den Gegnern.

Die SVP hat einmal mehr den Deutungsrahmen und den Wettbewerb der am meisten gesehenen Kampagne für sich entscheiden können. Für die Message spielt es keine Rolle, ob «fake» oder wahr: Solange die Werbung massenhaft geschaltet wird, ist das Ziel der Aufmerksamkeit und der Übermittlung der Botschaft erreicht.

Der Schweizer Presserat macht eifrig mit in der Verteilung der Fake-Kampagne in «20 Minuten», indem er laut dem Tamedia-Titel auf «ethischen Kriterien» bei politischer Werbung beharrt, während Marcel Kohler, Geschäftsführer von «20 Minuten», sagt: «Politische Inserate werden immer von unserem Rechtsdienst juristisch beurteilt und freigegeben, wenn sie gesetzeskonform sind.» Laut «Landbote» fände Kohler es darüber hinaus «unzulässig und undemokratisch», wenn die Zeitung in politischen Debatten Position beziehe, indem gewisse Meinungen nicht zugelassen würden.

Die ganze Debatte kann den Inserenten egal sein: Die «media attention» ist hundertprozentig geglückt.