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Samstag
22.05.2021

IT / Telekom / Druck

Mit dem Alleingang der Swisscom hätte Sissach bald zwei Glasfasernetze, eines vom Telekomkonzern und eines von der lokalen Netzbetreiberin... (Bild: Pixabay)

Der halbstaatliche Telekomkonzern lässt seine Muskeln spielen: Die Swisscom hat die Verhandlungen für den Bau eines Glasfasernetzes in Sissach abgebrochen und will nun auf eigene Faust graben. Dafür hagelt es Kritik von den lokalen Energieversorgern.

«Mit dem Alleingang torpediert die Swisscom unsere Bestrebungen für offene und in Kooperationen gebaute Glasfasernetze», sagt Andreas Waber, CEO der Swiss Fibre Net AG, auf Anfrage des Klein Reports am Donnerstag.

Aus «unerfindlichen Gründen», so Waber, ist die Swisscom im Februar aus den Verhandlungen mit der in Sissach ansässigen Lokalversorgerin ausgestiegen. Die Elektra Sissach AG, die mit weiteren kleineren Netzbetreibern an der Swiss Fibre Net AG angeschlossen ist, muss nun zusehen, wie der Grosskonzern in der basellandschaftlichen Gemeinde ein eigenes Glasfasernetz plant.

Damit hätte Sissach bald zwei Glasfasernetze, eines von der Swisscom und eines von der Elektra Sissach AG. Ziel der Verhandlungen wäre eigentlich gewesen, dass die Lokalversorgerin das Netz baut und sich der Telekomkonzern einmieten kann, erklärt Andreas Waber gegenüber dem Klein Report.

«Beim Verhandeln der Nutzungsgebühr ist Elektra Sissach der Swisscom sehr entgegengekommen», findet Waber. «Die Arbeiten müssen nun doppelt durchgeführt werden – das ist, als würde man nebeneinander zwei Autobahnen bauen», beschreibt Waber die festgefahrene Situation.

Für den Ausbau des Netzes rechnet die Elektra Sissach AG mit Investitionen von etwa 7,5 Millionen Franken bis Ende 2021.

Für die knapp 7000 Einwohnerinnen und Einwohner von Sissach bedeutet die Glasfaser-Doppelspur nun eine «unnötige Zusatzbelastung». Beide Unternehmen hätten der Bevölkerung schon Verträge für die Installation von Glasfaserleitungen vorgelegt, so Waber.

Das Vorgehen der Swisscom ist «volkswirtschaftlich und ökonomisch fragwürdig», meint der CEO von Swiss Fibre Net. Dass sie den Bau eines offenen Glasfasernetzes nicht unterstütze, sei für ihn ohnehin unverständlich: «Nur dieses Modell ist im Sinne der Kundinnen und Kunden und auf lange Sicht zukunftsfähig.»

Es sei auch nicht das erste Mal, dass der «blaue Riese» ein «monopolistisches Verhalten» an den Tag lege. «Das Bauen von Glasfasernetzen im Alleingang hat System bei der Swisscom», bilanziert Waber. Auch in anderen Gemeinden würde der Konzern andere Betreiber und die Konkurrenz unter Druck setzen.