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Freitag
01.01.2021

Marketing / PR

Das Wandteppich-Relief besteht aus Schnapsflaschen-Manschetten und Verschlüssen. Die «Soziale Skulptur» wurde gefertigt zusammen mit vielen Helfern aus Afrika…

Die Preise für Kunst steigen. Die Etats für neue Ankäufe sinken. Das Publikum kann wegen Corona kaum neue Einnahmen für die Museen generieren. Auch wenn es abgedroschen klingt: In einer solchen Situation könnte man sich des Slogans «Die Krise als Chance» erinnern.

Zwischen Bern und Amsterdam ist der Spruch genau zu Weihnachten wahr geworden.

Das Kunstmuseum Bern und das Stedelijk Museum in Amsterdam haben gemeinsam das Werk «In the World But Don’t Know the World» von El Anatsui angekauft. Das grossformatige Bild stammt aus der privaten Sigg Collection.

Die steigenden Preise auf dem Kunstmarkt machten es öffentlichen Kunstinstitutionen immer schwieriger, neue Werke zu erwerben, begründet das Kunstmuseum Bern die Kooperation mit dem Amsterdamer Museum. Über den Kaufpreis bewahren beide Museen und der Verkäufer Stillschweigen.

Die «mäzenatische Preisgestaltung» durch die Sigg-Sammlung habe aber zum Ankauf beigetragen, heisst es in der Mitteilung dazu. Künftig sei das Werk abwechselnd in Amsterdam und Bern zu sehen.

Der 1944 geborene Künstler Al Anatsui stammt aus Ghana. Er ist einer der prominentesten Gegenwartskünstler Afrikas und bekannt für seine grossen Skulpturen aus Abfallstoffen.

Ein Abfallstoff, der von Anatsui wiederverwertet wird, sind Schraubverschlüsse von Flaschen. Gleichzeitig wurde Alkohol als Tauschmittel für die Sklaverei verwendet. El Anatsuis überdimensionale Werke thematisieren somit Afrikas Kolonialgeschichte, negative Aspekte der Globalisierung und der Konsumwelt sowie Umweltgedanken gleichermassen. 2015 erhielt er den Goldenen Löwen der Biennale Venedig für sein Lebenswerk.

Das Interesse des Berner Kunstmuseums an Kooperationen ist nicht neu. Ebenfalls mit den Werken von Al Anatsui hat Bern im zu Ende gehenden Jahr eine gross angelegte Ausstellung gemeinsam mit dem Haus der Kunst in München organisiert, dies auch in Zusammenarbeit mit dem Arab Museum of Modern Art in Doha sowie dem Guggenheim-Museum in Bilbao. Das Haus in Bern wird von der Kunsthistorikerin Nina Zimmer geleitet.