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Donnerstag
1.6.2017

Marketing / PR

Unter den Schweizer Medienbeobachtern tobt der Konkurrenzkampf: Management Tools Media (MTM) befürchtet Millionen-Einbussen und hat deshalb verschiedene Mitarbeitende der NR Swiss AG auf siebenstellige Beträge betrieben. Der Geschäftsführer von NR Swiss spricht von Einschüchterungsversuchen.

Seit Anfang April arbeitet ein achtköpfiges Team für die NR Swiss AG auf dem Schweizer Markt. Gegründet vom deutschen Unternehmer und Fachanwalt Thomas Koblenzer habe das Unternehmen seither viele «erfolgreiche Gespräche» geführt und auch schon «führende Mittelstandsunternehmen mit Sitz in Deutschland und der Schweiz als Kunden gewonnen», wie Geschäftsführer Nikolaus Zumbusch dem Klein Report am Montag sagte.

Doch der neue Konkurrent wird in der Schweiz nicht überall mit offenen Armen empfangen. Die Management Tools Media AG (MTM), die kürzlich von Argus der Presse aufgekauft wurde, hat gleich doppelten Grund zum Ärger: Etwa ein Drittel der Mitarbeitenden haben MTM nach der Argus-Übernahme nämlich verlassen – und einige von ihnen wechselten ausgerechnet zu NR Swiss.

Eigentlicher Streitpunkt ist aber NewsRadar, ein Produkt der deutschen Pressrelations GmbH: NR Swiss hat für die Nutzung von NewsRadar einen Lizenzvertrag mit Pressrelations abgeschlossen. MTM wiederum ist der Ansicht, aufgrund eines älteren Vertrages mit Pressrelations die exklusive Anbieterin von NewsRadar in der Schweiz zu sein.

Geht es nach MTM, so hätte der Vertrag zwischen Pressrelations und NR Swiss zur Nutzung des NewsRadars gar nie abgeschlossen werden dürfen: Und nun attackiert MTM auch NR Swiss beziehungsweise deren Mitarbeiter mit einer Betreibung in Millionenhöhe.

Über die hauseigenen Rechtsanwälte mahnte MTM zuvor ihre ehemaligen Mitarbeitenden ab, weil diese unterdessen für ein «direktes Konkurrenzunternehmen» arbeiten. Unter Androhung einer drakonischen 2-Millionen-Busse wurden sie in besagtem Schreiben zur Unterzeichnung einer «Verzichts- und Unterlassungserklärung» gedrängt – jedoch ohne Erfolg.

Dabei handle es sich um den «plumpen Versuch, die angeschriebenen Mitarbeiter unter grossen Druck zu setzen und einzuschüchtern», findet der Geschäftsführer von NR Swiss gegenüber dem Klein Report. «Hier kann nur eine schikanöse Betreibung vorliegen mit dem Ziel, die Mitarbeiter persönlich über den Eintrag ins Betreibungsregister nachhaltig zu schädigen», so Zumbusch weiter.

Zumbusch betont, dass die heutigen NR Swiss-Mitarbeitenden ihren früheren Arbeitgeber unter Einhaltung der ordentlichen Kündigung verlassen hätten. «Zu den vorgeworfenen angeblichen Vertragsbrüchen von Pressrelations GmbH können wir keine Stellung nehmen», ergänzt er weiter. «Wir lassen es bei dem schlichten Hinweis, dass dieses Verfahren die NR Swiss AG nicht betrifft.»

Bernd Pfister, der bei MTM und auch bei Argus als VR-Präsident agiert, wollte auf Nachfrage des Klein Reports am Montag aufgrund des laufenden Verfahrens keine Stellung beziehen: «Nur zur Richtigstellung kann ich sagen, dass wir gegen die Gründer der NR Swiss vorgehen, dies unabhängig von irgendwelchen früheren Beschäftigungsverhältnissen.»

Dafür zeigte sich MTM-Geschäftsführer Stephan Wyss bereit, dem Klein Report die Betreibungen zu erklären: «Es geht um einen Streit, der die Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und Exklusivitätsrechten von Management Tools Media AG betrifft. Management Tools Media ist der Auffassung, dass diese Personen aktiv bei der Verletzung dieser Rechte von Management Tools mitwirken.»

Und weiter begründet Wyss: «Management Tools ist der festen Auffassung, dass NR Swiss sich in unlauterer Weise einen Wettbewerbsvorteil verschaffen will, indem NR Swiss aktiv bei der Verletzung von Exklusivitätsrechten und Geschäftsgeheimnissen von Management Tools Media AG mitwirkt.»