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Donnerstag
17.09.2020

Digital

864 Server in einer Container-Röhre wurden für zwei Jahre auf dem Meeresboden getestet. Das soll die Cloud der Zukunft werden ... (Bild: Microsoft)

Experiment geglückt: Nach zwei Jahren auf dem Meeresgrund vor den schottischen Orkney-Inseln hat der US-Softwarekonzern Microsoft kürzlich eine dort versenkte Kapsel voller Server an die Oberfläche geholt. Das Ding ist nach wie vor intakt.

«Project Natick» nennt sich das Experiment, mit dem Microsoft testen wollte, ob im Meer versenkte und vom Wasser gekühlte Rechenzentren zukunftsträchtig sind. Und die Antwort ist positiv, wie das Unternehmen vermeldet.

Microsoft arbeitet seit Jahren daran, ein Unterwasser-Rechenzentrum zu entwickeln. Wie auf der Homepage des Unternehmens beschrieben wird, soll dieses schnell einsatzbereit sein, die Umwelt schonen und vollkommen autonom betrieben werden können. Damit will Microsoft auf den steigenden Bedarf nach Cloud-Infrastruktur in der Nähe von Ballungszentren reagieren.

Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt innerhalb eines etwa 200 Kilometer breiten Küstenstreifens. Ein Vorteil solcher Rechenzentren wäre laut Microsoft, dass man sie näher am Verbraucher positionieren könnte.

«Damit wir künstliche Intelligenz wirklich bereitstellen können, sind wir auf die Cloud angewiesen», so Peter Lee, Corporate Vice Presidet AI and Research von Microsoft.

Im Juni 2018 haben Forscher am European Marine Energy Center auf den schottischen Orkney-Inseln einen Prototyp des Unterwasser-Rechenzentrums in der Grösse eines Containers ins Meer gelassen. Darin befinden sich 12 Serverracks mit 864 Servern. Diese reichen für 27,6 Petabyte.

Auch wenn die Kapsel nach zwei Jahren am Meeresgrund nun von Algen und Muscheln überwuchert war und erst einmal einer gründlichen Behandlung mit dem Hochdruckreiniger bedurfte, war bei den Servern drinnen alles in Ordnung. Die Zahl der Server-Ausfälle belaufe sich im Vergleich zu klassischen Rechenzentren gar nur auf ein Achtel, berichtete Microsoft in einem Blogeintrag zu seinem «Project Natick».

Damit die Hardware in der wasserdichten Kapsel lange hält, hat Microsoft das zwölf Meter lange Rechenzentrum auf dem Meeresgrund mit Stickstoff statt Sauerstoff gefüllt. Dieses Gas reagiert weniger leicht mit der Elektronik. Ausserdem dürfte die Abwesenheit von Menschen der Technik gutgetan haben, da die Hardware in der Kapsel weniger organischen Einflüssen ausgesetzt ist.

Microsoft hofft, mit solchen Rechenkapseln am Meeresboden gleich zwei Probleme lösen zu können. Einerseits brauchen Serverfarmen intensive Kühlung, die im Fall einer solchen Kapsel vom rund vier Grad kalten Wasser am Meeresboden gewährleistet wird. Andererseits könnte man mit solchen Kapseln, wenn man sie etwa direkt aus Windrädern oder anderen erneuerbaren Energiequellen speist, die Klimabilanz verbessern.

Wenn sich «Project Natick» bewährt, will Microsoft weitere Rechenzentren versenken und sie nur alle fünf Jahre zur Wartung und zum Tausch ausgefallener Server vom Meeresgrund holen. Microsoft-Manager William Chappell: «Unser Traum ist, zu lernen, wie man Rechenzentren so zuverlässig macht, dass sie keine menschliche Wartung mehr brauchen.»