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Donnerstag
30.04.2020

Medien / Publizistik

Mehdi Atmani gewinnt gleich zwei Mal: Einmal als «Journalist of the Year» und einmal als Gewinner der Kategorie Video.

Der freie Journalist Mehdi Atmani hat die Auszeichnung «Journalist of the Year» an den Swiss Press Awards 2020 gewonnen. Der erstmals vergebene Preis wird Atmani für seine Recherche-Videoserie «La Suisse sous couverture» verliehen.

Zehn Jahre lang hat Atmani für seine fünfteilige Videoserie recherchiert, die im vergangenen November auf der Webseite des Westschweizer Fernsehens RTS publiziert wurde. Sie dokumentiert eine Schweiz als «Mittelpunkt der Spionage», die nie gezögert habe, «ihre Neutralität den politischen, ökonomischen und militärischen Interessen zu opfern», heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Im ersten Teil der Serie wird die Spionageaffäre der Crypto AG in Zug thematisiert, die kaum Resonanz findet. Drei Monate später enthüllte das ZDF, die «Washington Post» und für die Schweiz die «Rundschau» die «Crypto-Affäre» im SRF, die dann um die Welt ging. Doch Mehdi Atmani habe «keine Ressentiments» gegenüber den Kolleginnen und Kollegen, aber finde es «schade», dass sich die beiden SRG-Sender nicht koordiniert hätten.

«Seine akribische Arbeit, seine Bescheidenheit und sein Wille, weiterzumachen, zeichnen Mehdi Atmani als Journalist des Jahres 2020 aus», schrieb die Jury über den Preisträger. Für den gleichen Beitrag gewinnt Atmani zusammen mit Alexandre Bugnon ausserdem den ersten Preis in der Kategorie Video.

Gewinner in der Kategorie Text ist Arnaud Robert vom Onlineportal heidi.news für «eine minutiöse und weltumspannende Recherche» zur Problematik von Toiletten. Robert sei «eine grosse Reportrage im besten Sinn» gelungen, die «glänzend geschrieben» sei, so das Fazit des Gremiums.

In der Kategorie Online wurde eine investigative Recherche über die Rolle der Credit Suisse im grössten Finanzskandal Mosambiks ausgezeichnet. Der Preis geht an Christian Zeier, Valentin Felber, Florian Spring und Stirling Tschan vom Recherchekollektiv Reflekt. Die Geschichte habe aus verschiedenen Gründen überzeugt: So habe sich das Team mit einem «für viele Medien wichtigen Werbekunden» angelegt, sei transparent vorgegangen oder habe «geschickt» multimediale Elemente eingesetzt.

Der Preis für den besten Audio-Beitrag geht an Franziska Engelhardt und Stefanie Müller-Frank für den «Republik»-Podcast «Zündstoff» über eine Familiengeschichte. Die Jury begründete ihren Entscheid damit, dass die Elemente der Reportage «präzise» eingesetzt wurden, die Texte und die Dramaturgie «wohldosiert» seien und nie als «skandalöse Nachricht»» daherkommen.

Auch François Ruchti vom RTS kann sich in die Reihe der Ausgezeichneten setzen: Für seinen Beitrag in der Sendung «Mise au point» gewinnt er die Kategorie Local. Ruchti habe «journalistisch perfekt ausgewogen» über den Missstand der Grosswildjagd im Wallis berichtet, so das Verdikt der Jury.

Und schliesslich wird Yves Leresche «Swiss Press Photographer of the Year» für seine Bildserie über den Frauenstreik in der Zeitschrift «L’illustré». Leresche erhält dafür 25'000 Franken Preisgeld.

Auch Mehdi Atmani gewinnt 25'000 Franken für seinen Titel «Swiss Press Journalist of the Year 2020». Zudem erhalten die Gewinner der Kategorien Text, Online, Audio und Local je 15'000 Franken. Die Preissumme beläuft sich insgesamt auf 128'000 Franken.