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Donnerstag
29.11.2018

Medien / Publizistik

Konzentration der Marktanteile

Der frühere Tamedia-CEO Martin Kall, heute Mehrheitseigentümer von Kömedia und an der Fachzeitung «Schweizer Bauer» beteiligt, referierte am Mittwoch beim Verband Schweizer Medien (VSM) über «unternehmerische Wege zum Erfolg». Sein Rezept: Weniger Personal, dafür höhere Marktanteile.

Die Trendtagung Fach- und Spezialmedien stand eigentlich unter dem Motto «Nachhaltigkeit durch Qualität sichern». So betonte der deutschstämmige Medienmanager, der unter anderem Aufsichtsrat bei der Funke Mediengruppe und der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) war, dass Rudolf Haudenschild beim «Schweizer Bauer» einen sehr guten Job mache, und lobte «seinen» Chefredaktor über den grünen Klee: «Das ist der beste Chefredaktor und Geschäftsführer». Und ergänzte in seine Richtung: «Jetzt nur nicht rot werden».

Haudenschild erwarb Ende 2013 zusammen mit Kall über die Gudula Heinrich AG eine Beteiligung am «Schweizer Bauer». Damals verkaufte die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern (OGG) einen Teil der Aktien. Nur ein Jahr zuvor hatte die OGG sämtliche Anteile von Tamedia übernommen.

Nach dem Lob in Richtung des Chefredaktors wurde Martin Kall konkret: «Bis 2008 hatten wir keinen wirtschaftlichen Erfolg», sagte er über die Fachzeitung. «Für uns entscheidend war, dass wir die Zahl der Mitarbeitenden um einen Drittel von 30 auf 20 runtergebracht haben», verriet er sein Erfolgsrezept cool. Weiter erklärte Kall, der bis heute Mitglied im Verwaltungsrat von Tamedia ist: «In einem Verlag sollten nur Journalisten und Verkäufer arbeiten», sagte er in seinem bekannten M&A-Akquisitionsstil.

Alle anderen Kompetenzen sollen gemäss Kall über ein Netzwerk angeeignet werden - also beispielsweise in den Bereichen Druck, IT, Redaktionssoftware oder Consulting. «So bleibt Zeit für das Wichtigste und für Ideen», sagte er an der Trendtagung.

Fachverleger stünden vor einer «Grundsatzentscheidung», sagte der als nicht zimperlich bekannte Medienmanager Martin Kall weiter. «Es braucht Mut, um nach vorne zu gehen und wirkliche Investitionen zu tätigen. Man muss erhebliche Risiken auf sich nehmen. Ansonsten sollte man seinen Verlag verkaufen.»

Die Handlungsfelder für eine erfolgreiche Zukunft der Fach- und Spezialmedien sind aus seiner Sicht schnell ausgemacht, so der Firmenkäufer. Die Hauptherausforderung laute «Digitalisierung». Jedoch musste Kall einräumen, dass beim «Schweizer Bauer» in dieser Hinsicht noch einiges an Steigerungspotenzial vorhanden ist. «Im Nutzermarkt erzielen wir derzeit nur ein Prozent unseres Umsatzes aus dem digitalen Markt. Im Werbemarkt sind es drei Prozent.»

Ein weiteres Handlungsfeld sei das Thema «Big Data». Kall dazu: «Jedes zweite Medium in der Branche gibt eine Auflage an, die nicht der Wahrheit entspricht.» Dies liege einerseits am Sparzwang, andererseits aber auch daran, «dass viele nicht genügend Adressen haben, an die sie ihre Publikationen schicken können», so Kall.

Zuletzt gab Martin Kall den anwesenden Verlegern von Fach- und Spezialmedien den Tipp auf den Weg, ihren Marktanteil zu steigern, beispielsweise durch Zukäufe. «Pro Fachmedienmarkt wird es nur noch einen Anbieter geben, der ein umfassendes Angebot macht», lautete seine Prognose in Richtung aller Kleinverleger, die möglicherweise verkaufswillig sind.

Bei der abschliessenden Verleihung des Q-Awards hat sich das Elternmagazin «Fritz und Fränzi» von Ellen Ringier gegen «Schlussgang» und «wandern.ch» durchgesetzt.
 
Die Publikation sei von der Jury für die breite Palette an Dienstleistungen, den klaren Fokus und vor allem auch den Erfolgsnachweis im Nutzer- und Werbemarkt als die herausragende Special-Interest-Publikation des Jahres ausgezeichnet worden, hiess es zu «Fritz und Fränzi».