Content:

Freitag
08.06.2018

Medien / Publizistik

«Keine nachhaltige Lösung» für den Printtitel

Nachdem es bereits unter der Oberfläche gebrodelt hat, kommt es in der Romandie nun zum medialen Erdbeben: Die Print-Ausgabe von «Le Matin» wird begraben, der Druck «voraussichtlich auf den Samstag, 21. Juli» eingestellt. Betroffen sind davon bis zu 41 Mitarbeitende von Tamedia.

«Le Matin» ist nach Ende Juli eine reine digitale Medienmarke. Damit ist sie die «erste Schweizer Tageszeitung, die sich vollständig auf eine rein digitale Version fokussiert», wie Tamedia am Donnerstag schreibt. Nicht betroffen ist die Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche».

Grund für die Umstellung sei der anhaltende wirtschaftliche Misserfolg der Print-Ausgabe der meistgelesenen Kaufzeitung der Westschweiz. Alleine im vergangenen Jahr lag der Verlust des gedruckten «Le Matin» nach Tamedia-Rechnungen bei 6,3 Millionen Franken. Über die letzten zehn Jahre gerechnet seien es 34 Millionen Franken Defizit.

Für die rein digitale Medienmarke arbeitet künftig noch eine 15-köpfige Redaktion. Die restlichen Inhalte werden vom Sport-Center von Tamedia, dem Newsexpress und dem Netzwerk von «20 minutes» geliefert.

Das bedeutet, dass bis zu 41 Mitarbeitende ihre Stelle verlieren, davon «maximal 24 Mitarbeitende in der Redaktion», wie das Medienunternehmen schreibt. Dies «vorbehältlich der Ergebnisse des Konsultationsverfahrens».

Am Freitag findet ein Treffen mit der Arbeitnehmervertretung und den Gewerkschaften statt, damit das Konsultationsverfahren eingeleitet werden kann. Dann wird über einen angemessenen Sozialplan verhandelt.

Der Richtungswechsel von «Le Matin» bewegt auch Chefredaktor Grégoire Nappey, seit 2014 im Amt, zu seinem Abgang. «Er wollte die Zeitung in dieser neuen Form nicht mehr leiten», heisst es von Tamedia.

Deshalb übernimmt Laurent Siebenmann seine Position. Siebenmann stiess im Jahr 2000 als Assistent des Chefredaktors der TV-Programmangebote zu Edipresse und war danach neun Jahre als stellvertretender Chefredaktor im Einsatz. Seit Februar 2015 ist er Mitglied der Redaktion von «Le Matin».