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Freitag
9.9.2016

Medien / Publizistik

Reporter ohne Grenzen legt in ihrem ausführlichen Länderbericht dar, wie stark die Verflechtung von Medien und Politik den professionellen Journalismus in Kroatien gefährdet. ROG und weitere Pressefreiheitsorganisationen kritisieren «den übermässigen Einfluss führender Politiker auf die Medien und eine politisch motivierte öffentliche Debatte, die kritische Journalisten pauschal als Aktivisten oder gar Verräter diffamiert.»

In Kroatien wird am 11. September das Parlament neu gewählt. Die deutsche Journalistenorganisation ruft die Sieger der Wahl am Sonntag dazu auf, die Medien nicht als «Wahlgeschenk» zu betrachten und als Waffe im politischen Kampf zu missbrauchen.

«Die neue Regierung muss dafür sorgen, dass insbesondere der öffentliche Rundfunk wieder unabhängig arbeiten kann», sagt ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

Zuerst wurde der öffentliche Rundfunk HRT wieder auf Linie gebracht. Dies passierte, indem im März 2016 die Regierung der nationalkonservativen HDZ und der Protestpartei Most Generaldirektor Goran Radman entliess und ihn durch Sinisa Kovacic ersetzte. Kovacic gilt gemäss Einschätzungen von ROG als regierungstreu. Kovacics Amtszeit wurde am 31. August bis Ende Oktober verlängert, was über die gesetzliche Vorgabe, dass ein amtierender Direktor höchstens für sechs Monate den Rundfunk leiten darf, hinausging.

Es ist damit klar, dass der neue Generaldirektor das Programm auch in den entscheidenden Wochen vor und nach der Wahl am 11. September mitbestimmt. Er strukturierte die Radio- und Fernsehredaktionen bei HRT von Grund auf um: Mehr als 70 Journalisten, darunter fast alle leitenden Redakteure, wurden meist auf Posten versetzt, auf denen sie weniger oder keine Verantwortung für die inhaltliche Gestaltung des Programms tragen. In vielen Fällen folgten ihnen Journalisten nach, die den damaligen Regierungsparteien HDZ und Most nahestanden.

ROG hält fest, dass immer wieder kritische Journalisten in Kroatien bedroht oder sogar angegriffen werden. Die Polizei kläre kaum einen dieser Fälle auf, die meisten Täter blieben ungestraft.

Ein Beispiel ist jenes des preisgekrönten Investigativreporters Zeljko Peratovic: Am 28. Mai 2015 wurde er von drei Männern geschlagen und fast erwürgt, die in seine Wohnung bei Karlovac eingebrochen waren.

Er hatte unter anderem über Korruption bei der Stadtverwaltung von Karlovac berichtet. Die Polizei nahm am nächsten Tag drei Verdächtige fest, liess sie aber wenig später wieder frei. Peratovic zeigte die Täter wegen versuchten Mordes an, die Staatsanwaltschaft stufte dies auf schwere Körperverletzung und Hausfriedensbruch zurück. Der Journalist hat Kroatien inzwischen verlassen und lebt in der Schweiz.