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Donnerstag
07.11.2019

Medien / Publizistik

Pascal Hollenstein: «Es handelt sich um eine Sparübung. Dieser Aspekt steht aber nicht an erster Stelle.»

Das Joint Venture von AZ Medien und NZZ-Regionalmedien startet bereits ab Januar 2020 mit einem eigenen Newsdesk, das im Stile einer Nachrichtenagentur Inhalte für alle Redaktionen von CH Media herstellen wird. Der substanzielle Vertrag mit Keystone-SDA für den Bezug des Inland-Basisdiensts steht auf der Kippe.

«Insgesamt planen wir mit fünf bis zehn Vollzeitstellen für unser neues Newsdesk», sagte Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik bei CH Media, am Mittwoch gegenüber dem Klein Report. Ein Teil dieser Stellen werde intern, ein Teil extern besetzt.

«Die Rekrutierung ist noch nicht abgeschlossen. Zum Start im Januar 2020 werden wir daher noch nicht die Grösse erreichen, die wir geplant haben», so Hollenstein. Am Mittwochmorgen hatte SRF-Radiojournalist Salvador Atasoy zuerst über den Aufbau des Newsdesks berichtet.

Dieses wird in die Zentralredaktion in Aarau integriert. Das Newsdesk soll eng verzahnt mit der Online- und der Zentralredaktion sowie mit den Lokaljournalisten arbeiten. «Es wird Inhalte für alle Tageszeitungen und Online-Portale sowie auch für die Radio- und Fernsehsender von CH Media herstellen», erklärte Pascal Hollenstein.

Im Kern geht es darum, dass CH Media Nachrichten aus der Schweiz «verstärkt mit eigenen Meldungen, aus eigenen Quellen und in eigener Schreibe covern will», wie in einem Jobinserat des Joint Ventures steht. Für Keystone-SDA ist das ein harter Schlag. Ihre Leistungen drohen für den Grosskunden auf einen Schlag obsolet zu werden.

Bereits seit Wochen führen die Verantwortlichen der Nachrichtenagentur einmal mehr sehr harzige Gespräche mit ihren Kunden. Einige sind unzufrieden mit ihren Verträgen und wollen wie bereits in den Jahren zuvor weiter auf den Preis drücken. Wichtige Kunden haben zum Teil noch nicht zugesagt, ob und wie sie weiter mit Keystone-SDA arbeiten werden.

Auch CH Media diskutiert immer noch mit der Agentur über den Vertrag, der Ende Jahr auslaufen wird. Es werde eine weitere Zusammenarbeit geben, versicherte Pascal Hollenstein dem Klein Report, insbesondere im Sport und im Bild-Bereich. «Es ist vorstellbar, dass wir auch sonst weitere Dienstleistungen weiterbeziehen. Das kommt auf das Angebot von Keystone-SDA an», liess er durchsickern. Allerdings spiele hier natürlich auch der Preis eine Rolle.

Auf die Frage des Klein Reports, inwiefern CH Media bei den laufenden Verhandlungen aus taktischen Gründen gezielt Druck auf Keystone-SDA ausübt, antwortete Hollenstein: «Ich finde es schwierig, wenn man von Druck spricht. Es handelt sich um einen ganz normalen Vorgang. Wir sehen uns als Kunden, nicht als Eigentümer der Keystone-SDA. Unsere Beteiligung am Unternehmen beträgt nur 0,6 Prozent. Kunden und Lieferanten verhandeln eben über Angebot und Preis.»

Klar ist: CH Media wünscht sich ein Angebot «à la carte». Der Bezug des ganzen Inland-Basisdiensts macht nämlich mit dem eigenen Newsdesk keinen Sinn mehr. Kolportiert wird ein Volumen von 1,5 Millionen Franken, um das es gehen soll. «Das kann ich so nicht bestätigen. Aber es handelt sich um einen substanziellen Betrag», so Hollenstein.

Die Senkung der Kosten stehe beim Aufbau des Newsdesks für CH Media allerdings gar nicht im Vordergrund. «Es handelt sich auch um eine Sparübung. Dieser Aspekt steht aber nicht an erster Stelle», betonte der Leiter Publizistik.

Primär gehe es gemäss Pascal Hollenstein um ein strategisches Ziel, das verfolgt wird: «Wir setzen in der Publizistik auf eine Bezahllogik. Wenn wir dieselben Inhalte online publizieren wie alle anderen auch, werden wir nicht nur von den Suchmaschinen bestraft. Vor allem wird niemand bei uns für etwas bezahlen wollen, was er oder sie einen Klick weiter genau gleich und gratis erhält.»