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Dienstag
31.10.2017

Medien / Publizistik

Die Geschäftsleitung von Keystone-SDA

Die SDA fusioniert mit Keystone und sucht noch nach dem heiligen Gral neuer Verdienstmöglichkeiten: An einer Medienkonferenz vom Montag sagte CEO Markus Schwab zwar, dass man sich «das Geld zukünftig extern suchen» werde. Seine Ausführungen zu diesem «neuen Weg» blieben aber bruchstückhaft.

Konkret wurde Schwab nur bei einem Thema, und zwar bei den sogenannten «Corporate Kunden» – also grossen Playern wie Verbänden, Banken, Versicherungen oder Sportvereinen. «Wir haben unser Potenzial in diesem Segment noch nicht annähernd ausgeschöpft», erklärte Schwab vor den versammelten Medienvertretern im Zürcher Marriott Hotel.

Da bei den Medienkunden nicht mehr mit «grossen Einnahmesprüngen» zu rechnen sei, sei man auf das Wachstum im Bereich der Corporates angewiesen, so der designierte CEO von Keystone-SDA. Zudem könne man durch die Grösse des neuen Unternehmens «einige Dinge selber machen und neue Geschäftsfelder bewirtschaften», skizzierte Schwab die neuen Verdienstmöglichkeiten schwammig.

Sparmöglichkeiten durch die Fusion sieht er unter anderem in einer Effizienzsteigerung in den Prozessen zwischen den beiden Agenturen. Beispielsweise soll ein «durchgängiges Redaktionssystem» für Keystone installiert werden, das mit der SDA verbunden sei. Gestaltet würde ein solches vom «strategischen Technologiepartner» Austria Presse Agentur APA, der in Zukunft «praktisch die gesamte IT-Umgebung von Keystone-SDA gestalten» werde, so Schwab. Bereits jetzt produziert die SDA ihre Nachrichten auf einer APA-Lösung.

Momentan noch kein Thema ist ein Stellenabbau, die Ansetzung des Rotstifts ist aber nicht ausgeschlossen. «Die Gespräche mit unseren Kunden im Jahr 2018 werden zeigen, welche Produkte wir noch brauchen. Es kann sein, dass wir zur Einsicht kommen, dass gewisse Produkte nicht mehr produziert werden», antwortete Markus Schwab auf die Frage nach Einsparungen beim Personal vage.

Der Vater des Gedankens sei aber sowieso nicht primär das Sparen, sondern das «zeitgemässe, multimediale Angebot der Produkte», ergänzte VR-Präsident Hans Heinrich Coninx. Dabei sei es aber nicht das Ziel, «Journalisten zu Hybriden zu formen, die alles machen müssen und so die Qualität der Angebote gefährden», führte COO Jann Jenatsch weiter aus. «Aber die, die es können, sollen – unter anderem durch neue Ausbildungsmöglichkeiten – gefördert werden», so Jenatsch.

Ob die Produktion von multimedialem Content in einem gemeinsamen Unternehmen dabei zu sinkenden Angebotspreisen für die Kunden der Agentur führen wird, hielt Schwab offen. «Wir wollen nichts versprechen, werden aber an neuen Preismodellen arbeiten.» Konkreter wurde er beim erwarteten Umsatz von Keystone-SDA, den er auf 50 Millionen Franken bezifferte. Die Auszahlung einer «angemessenen Dividende» plane man ab 2020.

Gearbeitet werde dafür an 15 Standorten mit «drei grossen Hubs» in Lausanne, Zürich und Bern. Die Zahl der Mitarbeitenden betrage 300. Nicht mehr mit an Bord sein wird SDA-Chefredaktor Bernard Maissen. «Wir hatten verschiedene Vorstellungen bei der Umsetzung der Fusion, Bernard hat zum Beispiel die dezentrale Organisation nicht so gesehen wie wir», sagte Schwab dazu.

Maissen sagte auf Anfrage des Klein Reports: «Ich war und bin ein starker Verfechter der regionalen Verankerung der Agentur. Wichtig ist vor allem, dass Bild und Text in Zukunft besser aufeinander abgestimmt sind.»

Die Funktion von Maissen wird es in der neuen Unternehmung nicht mehr geben. Verantwortlich für den Content ist der aktuelle Keystone-CEO Jann Jenatsch. Er wird in der Funktion des COO für den Bereich News Production und Corporate Production zuständig sein. Damit wird kein Journalist in der Geschäftsleitung von Keystone-SDA Einsitz nehmen.