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Donnerstag
03.01.2019

Medien / Publizistik

«079…»: Anders als im Song von Lo und Leduc machten die «Schaffhauser Nachrichten» kein Geheimnis um die Handynummer von Juso-Chefin Tamara Funiciello. Damit hat die Zeitung ihre Privatsphäre verletzt – obwohl Funiciello die Nummer bereits selber über ihre Website publik machte.

Die Karikatur «Ihr seid sexistisch!» von Pascal Coffez zeigt Tamara Funiciello, wie sie auf einer Konzertbühne furienartig auf das Duo Lo und Leduc einschreit. «Wenn eine Frau sich weigert, ihre Nummer zu geben, besteht nicht darauf!!», lautet die Forderung der Juso-Chefin.

Gleichzeitig lässt die Zeichnung eine Doppelmoral erkennen. Denn Funiciello untermauert ihre Aussage, indem sie vor versammeltem Publikum barbusig ihren BH schwingt. In einer Sprechblase heisst es: «Meine Nummer lautet … (…es folgt Funiciellos persönliche Handynummer). Man findet die auf meiner Website, also warum ruft ihr mich nicht an?»

Die Darstellung einer Frau, die auf ihr Geschlecht reduziert wird, ist laut Presserat diskriminierend. Doch die vorliegende Karikatur sei anders zu beurteilen, weil sie sich auf einen konkreten, realen Vorfall beziehe. So liess sich Tamara Funiciello selber medienwirksam mit nacktem Oberkörper beim Verbrennen von BHs fotografieren.

«Dieses von einigen Frauen bewusst gesetzte Bild aufzugreifen, kann nicht als pauschal gegen Frauen gerichteter Akt kritisiert werden. Schon gar nicht, wenn es um Satire oder – wie hier – um eine Karikatur geht», schreibt der Presserat dazu.

Hingegen verletze die Veröffentlichung der Karikatur durch die «Schaffhauser Nachrichten» und später die Webseite von Radio Munot die Privatsphäre der Juso-Chefin, weil darauf die vollständige Handynummer der Juso-Chefin abgebildet war. Funiciello-Kritikern werde so der Weg geebnet, sie via Handyanruf oder SMS privat zu kontaktieren.

Im Presseratsentscheid, der am Montag publiziert wurde, heisst es: «Das Veröffentlichen einer Handynummer im Zusammenhang mit einer sehr kritischen Berichterstattung kann dazu führen, dass die betroffene Person zum Ziel von Belästigungen wird.»

An der Einschätzung des Gremiums änderte die Tatsache, dass die Handynummer bereits im Internet und über die Webseite von Tamara Funiciello leicht auffindbar ist, nichts. Denn die Schwelle, dass eine Leserin oder ein Leser diese Nummer tatsächlich sucht, wurde durch die Publikation in der Zeitung komplett abgebaut.

Gleiches gilt übrigens auch, wenn Einträge aus einem Handelsregister oder eine private Wohnadresse, die im Telefonbuch auffindbar ist, in einer Zeitung abgedruckt werden.