Content:

Montag
10.12.2018

Medien / Publizistik

Juso: «Blick»-Titel grenzt an Aufhetzung

Im Nachgang zu den Hamburger G-20-Kravallen im Sommer 2017 unterstellte der «Blick» den Berner Organisatoren einer Solidartäts-Demo, dass sie mit Gewalt drohten. Das grenze an Hetzerei, kritisierten die Jungsozialisten - und bekamen teilweise Recht vom Presserat.

«Chaoten drohen Bern mit Krawall» titelte der «Blick» am 12. Juli 2017. In der Oberzeile war «Aus ´Solidarität` mit G-20-Verhafteten von Hamburg» zu lesen. 

Die Story berichtete, dass zwei linke Gruppen in Bern eine Demo «ausgerechnet für die linksextremen G-20-Krawallmacher veranstalten wollen». Auf Facebook riefen sie zu einer «Solidemo» auf. Es sei zu befürchten, dass die Demonstranten Randale machen würden.

Die Berner Polizei bereite sich darauf vor und werde mit «einem entsprechenden Dispositiv im Einsatz sein», wie die Behörde mitteilte. Die beiden Gruppen hätten jedoch noch kein Gesuch bei der Stadt Bern eingereicht, berichtete der «Blick» weiter.

Die Juso der Stadt Bern reichte daraufhin Beschwerde beim Schweizer Presserat ein. Der Titel «Chaoten drohen Bern mit Krawall» sowie die Aussage, es sei zu befürchten, dass die Kollegen der G-20-Krawallmacher am Samstag Krawall machen würden, grenzten an «Scharfmachung und Aufhetzung». Keine der beiden Gruppen rufe in irgendeiner Weise zu Gewalt auf.

In dem strittigen Facebook-Aufruf hiess es im Original: «Wenn Einzelne von der Repression betroffen sind, müssen wir zusammenstehen». Und weiter: «Gehen wir deshalb gemeinsam auf die Strasse! Solidarisieren wir uns mit den Gefangenen, wünschen gemeinsam den Verletzten gute Besserung und setzen wir ein Zeichen gegen reaktionäre Repressionsfantasien.»

Von Drohungen mit Gewalt sei im Aufruf zur «Solidemo» nirgends die Rede, findet der Presserat. Der Titel im «Blick» sei «durch den Inhalt des Aufrufs nicht gedeckt». Mit dieser überspitzten Aufmachung hat der Ringier-Titel die Wahrheitspflicht verletzt.

Dass im Artikel aber die Furcht laut wird, dass es zu Krawallen kommen könnte, ist für den Presserat in Ordnung. «Im Artikel wird eine Befürchtung geäussert, die sich einerseits auf die Aussagen der Polizei stützt, andererseits auch auf Erfahrungen in der Vergangenheit.» Hier hat der «Blick» wahrheitsgemäss berichtet.