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Freitag
3.8.2018

IT / Telekom / Druck

«Last Week Tonight with John Oliver»

Amerikas bekanntester Polit-Comedian John Oliver veräppelt Facebook. In seiner Sendung «Last Week Tonight» auf HBO wirbt er in einem Fake-Videoclip für das Online-Netzwerk: «Ihr seid für die Freunde gekommen. Wir, um Eure Daten zu kriegen.»

John Olivers Take gegen Facebook ist derart gut, dass Regula Stämpfli, Kolumnistin beim Klein Report, spontan in die Tasten gehauen hat.

Triggerwarnung: John Oliver zeigt die Werbung von Facebook und beginnt mit der Beschimpfung «F*** Y**».

Seit die Realsatire die Weltpolitik übernommen hat, bin ich bei Polit-Comedy etwas skeptischer geworden. «Haha, der Nazi!» hat nämlich den Aufstieg der Rechtsextremen und Rechtspopulisten nicht verhindert, sondern regelrecht befördert. Die Sachbuchautorin Angela Nagle zeigt in ihrem bemerkenswerten Buch «Kill All Normies», wie ausgerechnet das Lachen über die Rechten diesen enorme Popularität verschafft hat.

Es ist viel schwieriger geworden, Rassismus, Überwachungssysteme oder Antisemitismus so «politulkig» zu inszenieren, dass der kritische Inhalt ob all der Schenkelklopfer nicht verloren geht. In der deutschen «Heute-Show» des ZDF überwiegt leider oft der platte «Porno-Nazi-Haha-Humor». Die politische Aufklärung fehlt, was schlussendlich nur Politikverdrossenheit produziert.

Anders bei John Oliver und seiner Sendung  «Last Week Tonight»: Dem Briten gelingt regelmässig der intelligente Spagat zwischen Lachen und dem Aufruf, sich aktiv um die Demokratie zu kümmern.

Am vergangenen Sonntag nahm sich John Oliver Facebook zur Brust: Dermassen «to the point», dass uns nichts anderes übrig bleibt als uns vor ihm und seinem Team zu verneigen. Die Sätze aus John Olivers Fake Facebook-Ad «A haven for racist trolls» (Ein sicherer Hafen für rassistische Trolls)  und «We own who you are» (Du gehörst uns!) werden das Online-Netzwerk noch lange verfolgen. Und das ist gut so.