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Samstag
12.4.2014

Medien / Publizistik

Jeroen van Rooijen, der die NZZ-Mediengruppe erst im letzten Juni verlassen hatte, kehrt an die Falkenstrasse zurück. Er wird aber nicht mehr eine Stilkolumne in der «NZZ am Sonntag» schreiben, sondern ist ab dem 1. Mai für die «Neue Zürcher Zeitung» tätig.

Er sei der beste seiner Art, meinte NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann am Donnerstag gegenüber dem Klein Report. Er werde für die Zeitung als Autor, Mitdenker und Impulsgeber arbeiten. Wie gross das Pensum von van Rooijen sein wird, wollte Spillmann nicht bekannt geben. «Er wird weiter für SRF 3 und für seine eigene Firma Zeit haben, sicher aber nicht für die `Weltwoche`», so der Chefredaktor.

Jeroen van Rooijen begründet seine Rückkehr gegenüber dem Klein Report so: «Wenn man nach einem Jahr Auszeit noch immer jede Woche angesprochen wird von Menschen, die einem Komplimente für die Artikel dort machen oder einem mit dem Blatt assoziieren, dann muss man sich eingestehen, dass man nach zehn Jahren wohl Teil einer grösseren Sache geworden ist.»

Ein Engagement bei einer anderen Zeitung sei nicht infrage gekommen. «Es gab keine brauchbaren Angebote, mit Ausnahme der `Weltwoche`, die mir im letzten Halbjahr mit einer Stil-Doppelseite grosszügig publizistisches Asyl bot», so van Rooijen. «Letztlich hat es aber einfach nicht recht gepasst, das Heimatgefühl war stärker.»

Die Frage, ob er weiterhin für das Studio van Rooijen und für Tailormade arbeiten wird, bejahte er. «Es bleibt genügend Kapazität, sich auch um andere Projekte zu kümmern, die mir am Herzen liegen und die Spass machen», so van Rooijen.

Lebende Worte findet der Stil-Berater für die neue NZZ-Führung. «Die NZZ hat wieder Mut gefasst, sie ist aus der Schockstarre des Medienwandels erwacht», meinte er. «Das neue Management will nicht mehr mit dem Rücken zur Wand auf den Weltuntergang warten, sondern geht in die Offensive, investiert in Inhalt und Qualität - und das sind Dinge, die auch mir Mut machen.»

Noch vor Kurzem habe seine Einschätzung anders gelautet, meinte er aber. «Ich fürchte, dass ich die `Alte Tante`, die ich vor einem Jahr noch für die `Titanic` hielt, mit einem anderen kolossalen Schiff verwechselt habe. Die NZZ ist nämlich eher die `Queen Mary`.»