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Donnerstag
16.05.2013

Ein St. Galler Taxifahrer, dessen Foto der «Blick» im März 2011 fälschlicherweise in Zusammenhang mit einer Reihe von Vergewaltigungen weiblicher Fahrgäste publiziert hatte, fordert von den Verantwortlichen eine finanzielle Entschädigung. Das sagte sein Anwalt, der St. Galler SP-Ständerat Paul Rechsteiner, am Rande des Prozesses gegen einen «Blick»-Journalisten, einen Privatdetektiv und einen St. Galler Polizisten, der am Mittwoch am Kreisgericht Wil eröffnet wurde.

Die Veröffentlichung des Fotos, so Rechsteiner, stelle eine krasse Persönlichkeitsverletzung dar, für die sein Mandant eine Genugtuung von 20 000 Franken und zusätzlich Schadenersatz in der Höhe von 10 000 Franken fordere. Dafür aufkommen sollen der verantwortliche Journalist und der Privatdetektiv. Letzterer soll das aus der Datenbank der Kantonspolizei St. Gallen stammende Bild im Auftrag des Journalisten über den ebenfalls angeklagten Polizisten erhalten haben. Dafür müssen sich der Journalist und der Detektiv vor Gericht wegen Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses verantworten. Der involvierte Polizist wurde bereits verurteilt.

Die Redaktion habe die illegale Beschaffung des Fotos in Kauf genommen, erklärte Rechsteiner. So habe der «Blick»-Blattmacher bei der Einvernahme gesagt, bei der Zeitung werde eine Geschichte nur dann gedruckt, wenn man ein Foto dazu hätte. Ein solches sei in diesem Fall nur auf diesem Weg zu beschaffen gewesen.

Das Foto, das schliesslich veröffentlicht wurde, zeigte jedoch nicht den Vergewaltiger, sondern dessen Bruder, ebenfalls Taxifahrer in St. Gallen. Neben dem fälschlicherweise mit den Taten in Zusammenhang gebrachten Chauffeur fordert aber auch der verurteilte Bruder eine Genuugtung von 5000 Franken vom Journalisten.

Gefragt nach der Beurteilung des Falles durch Ringier, erklärte Kommunikationsleiter Edi Estermann am Mittwoch auf Nachfrage des Klein Reports: «Der `Blick` ist bekannt für hartnäckigen, investigativen Journalismus. Dazu gehört auch, dass mit informellen Quellen gearbeitet wird, die Wissen haben, welche Behörden nicht von sich aus in Kommuniqués publizieren wollen.» Dies werde der Blick auch zukünftig so handhaben.

Zum Vorwurf Rechsteiners, der «Blick»-Redaktion müsse bewusst gewesen sein, dass ein solches Bild nur illegal beschafft werden könne, meinte Estermann: «Die Reporter haben ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen getan, hatten mit allen Beteiligten gesprochen, sowohl mit dem mittlerweile zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Taxifahrer, genauso wie auch mit dessen Bruder, der von der Polizei anfänglich fälschlicherweise verdächtigt worden war. Es handelte sich in der Folge um eine klassiche Verdachtsberichterstattung, keine Vorverurteilung.»

Es seid deshalb einigermassen erstaunlich, wie der Fall inszeniert würde, so Estermann, «zumal die Angelegenheit des irrtümlich abgebildeten Taxifahrers mit dessen vorherigem Anwalt bereits einvernehmlich und gütlich geregelt worden war, nachdem das Verfahren gegen ihn eingestellt wurde». Wie gewünscht, sei das Bild umgehend aus dem Onlinearchiv gelöscht und über die Einstellung der Ermittlungen berichtet worden.