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Dienstag
04.08.2020

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Die Kostümdirektion präsentiert das rote Hosenkleid der Buhlschaft...

Corona konnten sie trotzen. Dem Regen nicht. Am 1. August sind in Salzburg die Festspiele eröffnet worden.

Eine Jubiläumsausgabe, hundert Jahre nach der Gründung durch den legendären Regisseur Max Reinhardt. Seither hat sich einiges getan in der Theaterwelt.

Erstmals in der Geschichte des «Jedermann» ist die Buhlschaft nämlich in einem Hosenanzug aufgetreten. Ein kleines Zeichen der Emanzipation, immerhin. Ansonsten wurde an der Rolle von Caroline Peters, die den reichen Jedermann bei seinem Spiel vom Sterben begleiten soll, nicht viel verändert. Die Geliebte darf weiterhin nur schön sein und hat auch nichts zu sagen. Nur dreissig Sätze. Trotzdem gilt die Buhlschaft mit ihrer Verkörperung von Lust und Leidenschaft als die wichtigste Nebenrolle der Theatergeschichte.

In der Hauptrolle als Jedermann hat dieses Jahr Tobias Moretti seine letzte Premiere in Salzburg feiern können. Wobei «feiern» ein bisschen zu hoch gegriffen ist. Ein Gewitter mit Platzregen hat die 1‘200 Gäste, die bereits auf dem Domplatz in ihren weit auseinander arrangierten Stühlen sassen, in das Grosse Festspielhaus übersiedeln lassen.

Auch die Premierenfeier fiel weg. Das gehört bei allen 90 statt normalerweise 200 Vorstellungen an 6 statt 16 Spielstellen zum abgespeckten Konzept in diesem Jahr. Für die Festivalpräsidentin Helga Rabl-Stadler war es aber ein unabdingbares Statement, dass die Festspiele im Jubiläumsjahr auf jeden Fall stattfinden konnten.

Die Salzburger Festspiele wurden nämlich vor hundert Jahren, also kurz nach dem ersten Weltkrieg, von Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal in einer Zeit grösster Not «als mutiges Projekt gegen die Krise gegründet». Und dem wollte Salzburg im auch heuer schwierigen Jahr noch einmal gedenken.

180‘000 Karten im Wert von 24,5 Millionen Euro wurden im Vorverkauf abgesetzt. Nach einem komplizierten Prozedere wurde der grosse Teil davon wieder zurückerstattet.

Auch die Tischgesellschaft wird es in diesem Jahr nur als die berühmte Szene des «Jedermann» auf der Bühne geben. Galadinners für die Gäste müssen ausbleiben oder finden nur im ganz privaten Kreis statt. Wie weit das dem beliebten Stelldichein aus Künstlern, Wirtschaftsprominenz und Politik abträglich sein wird, wagt Intendant Markus Hinterhäuser noch nicht abzuschätzen.

Die Festspiele dauern noch bis zum 30. August. Und weil am Eröffnungsabend gleichzeitig der Schweizer Nationalfeiertag war, hier noch zwei Anmerkungen für Patrioten. Auch aus Helvetien werden Theaterschaffende in Salzburg zu sehen sein.

Der Schweizer Autor und Regisseur Milo Rau zeigt «Everywoman» mit der in Samedan aufgewachsenen und heute in Berlin lebenden Ursina Lardi. «Unser» Franz Welser-Möst, ehemals Generalmusikdirektor am Opernhaus Zürich und heute Chefdirigent beim Cleveland Orchestra, hat am Eröffnungsabend in der Felsenreitschule eine begeistert aufgenommene «Elektra» von Richard Strauss dirigiert.