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Dienstag
05.01.2021

Digital

Proteste der Mitarbeitenden bei Google sind nicht neu. Aber jetzt gibt es eine Gewerkschaft.... (Bild: Bloomberg)

Sie sind zwar international tätig. Aber das Absingen der Hymne «Die Internationale» gehört nicht zu ihren Ritualen. Die Technologiebranche war bis jetzt für Gewerkschaften ein schwieriger Boden. Aber auch den Belegschaften von Google oder Amazon sind inzwischen ein paar Dinge aufgefallen, die man nicht mehr so einfach übersehen will.

Jetzt hat bei Google eine Gruppe von Mitarbeitenden am Montag die Gründung der «Alphabet Workers Union» angekündigt. Die Grundforderungen lauten mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit im Unternehmen. Dylan Baker, ein Softwareentwickler im Unternehmen, nannte den Schritt in einer Mitteilung «historisch».

Die «Alphabet Workers Union» entstand nach eigenen Angaben mit Unterstützung der grösseren Gewerkschaft «Communication Workers of America» und will sich dieser anschliessen.

Für den Tag der Gründung kann die Gewerkschaft bis jetzt nur etwas über 200 Mitglieder vermelden. Die Organisatoren hoffen aber auf breitere Unterstützung und sagen, ihre Gruppe stehe allen der 130‘000 Mitarbeitenden offen. Als Mitgliedsbeitrag ist ein Prozent des Jahresgehalts zu bezahlen.

Für Beobachter ist es nicht überraschend, dass Google nun der erste grosse US-amerikanische Technologiekonzern mit einer Gewerkschaft wird. Schon im Herbst 2018 organisierte eine Gruppe mit dem Namen «Google Walkout for Real Change» einen Streik mit Tausenden von Kollegen auf der ganzen Welt. Ausgelöst wurde der Protest durch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Weitere Proteste gab es gegen Projekte des Unternehmens mit der amerikanischen Regierung oder gegen Pläne, wieder eine zensierte Suchmaschine in China anzubieten.

Der Führung gefällt die Entwicklung natürlich nicht. So soll der Konzern schon länger eine Beratungsgesellschaft angeheuert haben, die bekannt dafür ist, das Bilden von Gewerkschaften bei ihren Kunden zu verhindern.

Auch in Zürich haben Google-Manager im Oktober 2019 versucht, ein Treffen von Mitarbeitenden in der Zürcher Niederlassung zu unterbinden. Dort sollten Fragen rund um Gewerkschaften diskutiert werden. Die Argumentation der Führung damals: Solche Veranstaltungen könnten nur von ihnen selbst durchgeführt werden.

In der Folge wurde 2020 in Zürich aber eine erstmalige Etablierung einer Personalvertretung erlaubt. «Bei Google Zürich bestimmen die Zooglers nun mit», hat damals Syndicom erfreut den Erfolg vermeldet.

Auf der Internetseite der neuen «Alphabet Workers Union» sind verschiedene Gründe zu finden, warum eine Gewerkschaft für notwendig befunden wird. Softwareentwickler Brian Ellis zum Beispiel sagt, Google habe sein einstiges Unternehmensmotto «Don’t be evil» aus den Augen verloren.