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Freitag
06.08.2021

Kino

Die Studie des BAK zeigt, dass Frauen in der Filmförderung nicht mehr benachteiligt werden. Auf der Leinwand dominieren aber nach wie vor die Männer... (Screenshot BAK)

An einem Mediengespräch am Festival von Locarno äusserte sich Bundesrat Alain Berset am Donnerstag zu den aktuellen Herausforderungen der Filmbranche. Dabei wurde bekannt, dass vom Bund und den Kantonen für alle Covid-Kulturmassnahmen bisher rund 360 Millionen Franken ausbezahlt wurden.

Im Bereich Film hat das Bundesamt für Kultur (BAK) dabei seine Fördermassnahmen angepasst, namentlich das Gutschriftensystem von «Succès Cinéma». Dieses beruht auf dem Erfolg, den ein Film an der Kinokasse vorweisen kann. In Zusammenarbeit mit der SRG, Cinéforom und der Zürcher Filmstiftung wurde eine Zusatzfinanzierung eingeführt, damit Verzögerungen der Dreharbeiten sowie Schutzkonzepte berücksichtigt werden können.

Die Wiederaufnahme der Vorführungen würde eine Herausforderung für die Filmbranche, meinte Berset. Die Schweizer Filme müssen sich in den Kinos neben einer starken internationalen Konkurrenz behaupten, deren Filme nun verspätet erscheinen. Das BAK unterstützt zu diesem Zweck zehn Schweizer Filme bei ihrer Verbreitung in den Kinosälen und über Video on Demand (VOD).

Auch das Vertrauen des Publikums muss zurückgewonnen werden. Mit diesem Ziel finanziert das BAK zusammen mit Pro Cinema die Kampagne «Back to the Cinema», wie der Klein Report bereits berichtet hat.

Eine weitere Herausforderung ist die Digitalisierung. Diese durch die Pandemie beschleunigte Entwicklung zeige, wie wichtig es ist, die für regionale Anbieter bereits bestehende Investitionspflicht («Lex Netflix») in nationale Produktionen auf die Online-Plattformen auszuweiten. Mit der Einführung der Investitionspflicht würde die Schweiz über ähnliche Instrumente verfügen wie die Nachbarländer.

Trotz des gescheiterten Rahmenabkommens mit der Europäischen Union bliebt die Teilnahme am MEDIA-Programm das Ziel, wie Berset versicherte. Mit den Ersatzmassnahmen verfüge die Schweiz seit 2014 über ein funktionierendes Dispositiv. Sie wird auch ihre internationale Strategie der bilateralen Koproduktionsabkommen weiterverfolgen. Ein Abkommen mit Kanada wird demnächst unterzeichnet. Zusätzlich hat die Schweiz 2019 das neue Übereinkommen des Europarats über die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen ratifiziert, das Koproduktionen mit kleineren Ländern vereinfacht.

Ausserdem wurden in Locarno erstmals Ergebnisse einer Studie zur Gleichstellung im Schweizer Film präsentiert, die 2020 vom BAK in Auftrag gegeben wurde. «Die Studie zeigt, dass Frauen in der Filmförderung nicht mehr benachteiligt werden, wie dies bis 2014 noch der Fall war», schreibt dazu das BAK in einer Mitteilung. Die Untersuchung belegt gleichzeitig aber auch, dass Frauen im professionellen Filmschaffen nach wie vor untervertreten sind und in einigen Funktionen wie Regie, Drehbuch und Schauspiel «weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen».

Für Männer über 40 Jahre gibt es ausserdem fast doppelt so viele Hauptrollen in Spielfilmen wie für Frauen dieser Altersgruppe. Dazu skizziert die Studie mögliche Massnahmen, um die Gleichstellung im Schweizer Film für die Zukunft noch weiter zu fördern.