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Mittwoch
17.02.2021

Medien / Publizistik

Für Google wäre es wohl zu anstössig, bei dieser Bildlegende von einem Stein des Anstosses zu schreiben... (Bild: Das versündigte Cover, ohne Unterleib)

Der Play Store soll nicht zu einem Darknet für Zeichner verkommen. So oder ähnlich muss man sich die Ängste von Google vorstellen, wenn die Päpste beim Tech-Konzern jetzt die altehrwürdige Satire-Zeitschrift «Titanic» aus ihrer Welt verbannen wollen.

Die Blockade wurde kurz vor Erscheinen des aktuellen Heftes 2/2021 verhängt. Die App wurde ohne Vorwarnung gelöscht, klagt der Verlag. Der Grund ist das Cover von «Titanic» noch in der Dezember-Ausgabe 2020. In dieser Zeichnung ist der aktuelle Papst Franziskus mit einem Kruzifix im Hinterteil karikiert. Hinter dem Papst ist ein gezeichneter Jesus mit entblösstem Geschlechtsteil zu sehen. «Mon Dieu», denkt der Papst dazu in einer Sprechblase. Und Jesus meint: «Denkst du wieder an ihn?»

Das Cover ist eine Anspielung auf ein Titelbild des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo», auf dem in einer ähnlichen Szene der türkische Premierminister zu sehen gewesen war.

In einer aktuellen Pressemitteilung zeigt das Satiremagazin das Titelbild, an dem sich Google gestört hat. Dieses soll auf Geheiss von Google in der App inzwischen entfernt werden. Nach Angaben von Titanic gab es vom Verlag sofort einen Widerspruch bei Google, der aber bisher keinen Erfolg brachte. Im Gegenteil: Darauf sei dann die Forderung gefolgt, auch einige ältere Heftcover mit Darstellungen von Nacktheit und Sexualität zu löschen. Für Google sind diese «obszön».

Für «Titanic»-Chefredaktor Moritz Hürtgen ist die Zensur «kurios», weil die App der «Titanic» bereits seit 2014 im Store gelistet sei und durch die Zuordnung als Satire eigentlich eine Altersfreigabe von 12 Jahren hatte. «Titanic» hat nun als Kompromiss eine Erhöhung dieser Freigabe auf 18 Jahre vorgeschlagen. Darauf hat Google aber noch nicht reagiert.

In Amazons App Shop und in Apples App Store ist die «Titanic»-App weiterhin verfügbar.

Kurios ist für Beobachter der Szene auch, dass das Magazin «Eulenspiegel» aus dem Osten Deutschlands mit ähnlich drastischen Titelbildern weiterhin verfügbar ist.

Moritz Hürtgen liess verlauten, dass das Satiremagazin sich dem Druck aus dem Silicon Valley nicht beugen werde: «Titanic wird sich nicht selbst zensieren, um dem verkniffenen Humor von Monopolwichsern in San Fernando Valley, äh: Silicon Valley gerecht zu werden.»

Anmerkung des Klein Report: Das San Fernando Valley ist seit den 70er-Jahren das Zentrum der amerikanischen Pornoindustrie.