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Donnerstag
28.05.2020

IT / Telekom / Druck

«Alle jüngeren Aufzeichnungen bleiben selbstverständlich erhalten und sind weiterhin jederzeit abrufbar», heisst es fast höhnisch im Kundenbrief.

Der regionale Kabelnetzbetreiber GGA Maur, der unter anderem im Glasfasernetz der Städte Zürich und Winterthur präsent ist, löscht fast ohne Vorankündigung TV-Aufnahmen, die älter als 18 Monate sind. Eigentlich keine Rede wert - gäbe es aktuell Livesport im Fernsehen.

Es war eine Sternstunde des Schweizer Sports: Am 20. Mai 2018 hat die Schweiz gegen Schweden bis zur letzten Sekunde um den WM-Titel im Schweizer Eishockey gekämpft. Erst im Penaltyschiessen fiel die Entscheidung zuungunsten der Schweizer Eisgenossen. Gross war dennoch der Stolz der Schweizer Eishockeyfans. 

Und gross war auch die Zahl jener Fernsehzuschauer, die jenes glorreiche Spiel zur Erinnerung mit ihrem TV-Rekorder aufnahmen. Doch genauso wie FCZ-Fans, welche im Mai 2018 den Fussball-Cupfinal aufnahmen, oder ZSC-Fans, die im selben Monat während dem entscheidenden Playoff-Finalspiel auf die Recorder-Funktion drückten, werden sich diesen Fernsehhöhepunkt schon bald nicht mehr ansehen können – jedenfalls nicht, wenn sie GGA-Maur-Kunden sind. 

Das in Binz bei Zürich beheimatete Kommunikationsunternehmen GGA Maur, das unter anderem ein Glasfasernetzangebot in den Städten Zürich und Winterthur anbietet, löscht nämlich per 2. Juni sämtliche Recorderaufnahmen, die älter als 18 Monate sind. Angekündigt wird dies in einem Kundenschreiben mit dem Titel «TV-Rekorder – Aufnahmen neu noch 18 Monate verfügbar», welche dieser Tage verschickt worden ist.

«TV-Sendungen einfach aufzuzeichnen ist eine Funktion, die niemand mehr missen möchte. Entsprechend rege wird sie auch von unseren Kunden genutzt. Zur Speicherung dieser Aufnahmen sind jedoch riesige Mengen an Datenspeichern notwendig und die benötigten Systeme dazu brauchen ebenso riesige Mengen an Energie», heisst es im Brief.

Zudem zeigten branchenweite Erfahrungen, dass Aufnahmen, die älter als 12 Monate sind, kaum mehr genutzt würden. Deshalb habe sich der Kabelnetzanbieter entschlossen, aber dem 2. Juni 2020 Aufnahmen, die älter als 18 Monate sind, quartalsweise zu löschen. 

Geradezu wie Hohn hört sich der nächste Satz an: «Alle jüngeren Aufzeichnungen bleiben selbstverständlich erhalten und sind weiterhin jederzeit abrufbar.» Es handelt sich hierbei notabene um Aufnahmen, für welche die Kundinnen und Kunden explizit ein teures TV-Abo mit Replay- und Aufnahmefunktion gelöst haben.

«Wir hoffen auf Ihr Verständnis und freuen uns, wenn wir gemeinsam zur Reduktion des Energieverbrauchs beitragen können», endet der Brief. Gerade bei den Sportfans dürfte das Verständnis eher klein ausfallen – insbesondere was den Zeitpunkt der Löschaktion anbelangt. 

Im Mai 2020 gibt es Corona-bedingt nämlich keine Eishockey-WM, keinen Eishockey-Playofffinal und auch keinen Fussball-Cupfinal. Mehr denn je hätten sich Sportfans gefreut, sich wenigstens noch Spiele aus der guten alten Zeit anschauen zu können.