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Freitag
02.07.2021

Medien / Publizistik

In Sport und Wirtschaft sind Frauen besonders schlecht sichtbar: Frauen- (blau) und Männeranteile (grün) in der Berichterstattung nach Gesellschaftssphäre. (Bild © fög)

Die Diagnose war zu erwarten. Und doch frappiert sie in ihrer Deutlichkeit: Nur knapp jede vierte Person, über die die Schweizer Medien berichten, ist weiblich.

Doppelt frappierend ist, dass der Gendergap seit 2015 über alle Sprachregionen und Medientypen hinweg nahezu unverändert geblieben ist, wie aus einer am Donnerstag publizierten Studie des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) hervorgeht.

So stagnierte in dem Jahrfünft zwischen 2015 und 2020 die Anzahl an Beiträgen, in denen Frauen erwähnt werden, bei einem durchschnittlichen Frauenanteil von 23 Prozent. 

25 Prozent wurden einzig im Jahr 2019 gemessen. Ein Jahr, das geprägt war vom Frauenstreik und von den eidgenössischen Wahlen. Dieser Anstieg verflüchtigte sich wieder im Jahr 2020.

In den grossen Sprachregionen zeigen sich nur kleine Unterschiede. In Deutschschweizer Medien beträgt der Frauenanteil in der Berichterstattung 23 Prozent, in den Medien der Romandie und der italienischen Schweiz jeweils 24 Prozent. 

Ebenfalls nur sehr geringe Unterschiede bestehen zwischen den Medientypen. Der Frauenanteil bewegt sich zwischen 22 Prozent bei den gedruckten Abonnementszeitungen und 26 Prozent bei den Onlineportalen der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG).

Der Frauenanteil hängt gemäss der Studie stark vom Beitragsthema ab. Die geringsten Frauenanteile bestehen in Sportnews (13% Frauenanteil) und Wirtschaftsnachrichten (17%). Am höchsten ist ihr Anteil bei Human-Interest-Themen (31%) und in der Kulturberichterstattung (27%). Die Politikberichterstattung liegt mit einem Frauenanteil von 23% im Durchschnitt. 

«Es sind also die eher mit Männern assoziierten Themenbereiche Sport und Wirtschaft, die besonders tiefe Frauenanteile aufweisen», schreiben die Autorinnen und Autoren der Studie, die das FÖG zusammen mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ) der Universität Zürich durchgeführt hat.

Deutlichere Unterschiede zeigen sich zwischen einzelnen Medientiteln, auch wenn die Genderkluft alle Medienhäuser durchzieht. Die höchsten Frauenanteile weisen mit 29 Prozent die «Wochenzeitung» (WoZ), rts.ch (mit 27%) und blick.ch (26%) auf. Die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) (19%), watson.ch (20%) und «Der Bund» (20%) belegen die hinteren Plätze auf der Rangliste auf ohnehin tiefem Niveau.

«Das thematische Profil der Medien bestimmt mit, wie ausgeprägt der Gendergap ausfällt. Ein starker Fokus auf Wirtschaft oder Sport erhöhen diesen, eine grössere Gewichtung von Kultur oder Human-Interest-Themen haben einen weniger ausgeprägten Gendergap zur Folge», schreibt das FÖG zu diesem Befund.

Speziell delikat: Wenn die Journalistinnen und Journalisten selber zum Telefon greifen und in die Tasten hauen, kommen Frauen doppelt so häufig vor wie in Medienbeiträgen, die auf Agenturmeldungen basieren.